Chemie
Sekundarstufe I
Chemische Bindungen & Kräfte
Kräfte zwischen Molekülen
Datum:

Ein Tag am Meer: Flüssigkeit oder Gas?

Wie erklären wir uns den Zusammenhalt einiger Moleküle? Permanente Dipole ziehen sich an!

21.02.2026
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Gregor von BorstelGregor von Borstel
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Die Idee dahinter

Ziele
Die Lernenden verstehen, dass Bindungspolarität und Molekülgestalt gemeinsam bestimmen, ob ein Molekül ein permanenter Dipol ist – und dass nur Dipole starke Anziehungskräfte entwickeln.

Die Lernenden ...

  • erläutern mithilfe des erweiterten PSE³, warum O-H-Bindungen polar sind (Elektronegativitätsdifferenz).
  • beschreiben die räumliche Molekülform mit dem EPA-Modell (z. B. H₂O gewinkelt, CO₂ linear).
  • erklären, warum Wassermoleküle Dipole sind und O₂/N₂ keine.
  • wenden dieses Verständnis auf weitere Moleküle an (z. B. HF, NH₃, CH₂O, CH₄).
Beschreibung

Ausgehend vom Phänomen „Luft über dem Meer“ wird erklärt, warum Wasser bei Raumtemperatur flüssig, Stickstoff und Sauerstoff aber gasförmig sind.

Dazu wird auf der Teilchenebene gezeigt:

  1. Es gibt polare Elektronenpaarbindungen und Moleküle haben eine Gestalt.
  2. Wassermoleküle besitzen polare Bindungen (durch Elektronegativitätsdifferenz).
  3. Aufgrund ihrer räumlichen Gestalt (EPA-Modell) entsteht ein dauerhafter Dipol.
  4. Dipolmoleküle ziehen sich gegenseitig an → stärkere Wechselwirkungen → Wasser ist flüssig.
  5. O2 und N2 besitzen keine Dipolmomente, daher wirkt zwischen diesen Molekülen eine viel schwächere Anziehung → die Stoffe sind gasförmig.

Zentrale Leitfrage:
„Warum ziehen sich Wassermoleküle an, Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle aber kaum?“

Fachsystematische Einbettung

  • Vertiefende Fortführung der Elektronenpaarbindung durch Einführung von Elektronegativität und polaren/unpolaren Bindungen.
  • Einführung der Molekülgeometrie über das EPA-Modell basierend auf dem bekannten Kugelwolkenmodell.
  • Vorbereitung der nächsten Einheit: Van-der-Waals-Kräfte (auch z. B. Stickstoff lässt sich verflüssigen – temporäre Dipole).
  • Grundlage der wenig später betrachtete Ionen, Ionenbindung, Salzbildung: Im Meer sind Ionen – was bedeutet gelöst? – welche Ionen gibt es – wie bilden sie Kristalle?
  • Stärkung des Struktur-Eigenschafts-Prinzips: Molekülstruktur → Wechselwirkung → Aggregatzustand.
  • Hier noch irrelevant: Spezialfall Wasserstoffbrückenbindung

Methodische Schwerpunktsetzung

Da hier eine Konzept eingeführt und nachvollzogen wird, hat sich hier mehrfach die Methode des „Thinking Classrooms“ bewährt. Das Lernprodukt in Form einer Zeichnung plus Argumentationskette wird auf Whiteboards erstellt. Diverse Lernprodukte oder Schwerpunkte daraus werden vorgestellt, diskutiert und hinterfragt. So ergibt sich ein Gesamtbild auch von Verständnisschwierigkeiten.

Das anschließend im Plenum gesicherte Ergebnis kann zur kurzen Überarbeitung der Lernprodukte und abschließenden fotografischen Fixierung dienen. Der Vergleich zu Stickstoff und Sauerstoff dient hier der vernetzenden Anwendung oder zeitlichen Binnendifferenzierung.

Einbettung

Hier kommt dein Text… Wähle einen beliebigen Teil deines Textes aus, um auf die Formatierungsleiste zuzugreifen.

M1

Ein warmer Tag am Meer

Weiteres

Betrachten wir gemeinsam die Bilder1 in Galerie 1, halten zwischendurch aber mal an ….

Wasser, Sauerstoff und Stickstoff – Stoffe und Teilchen.2

… und überlegen, welche generelle Aussagen wir über die Anziehungskräfte zwischen Stickstoff-, Sauerstoff- und Wassermolekülen – jeweils unter ihresgleichen – machen können.

Weiteres

Die heutige Frage ist: warum ziehen sich Wassermoleküle untereinander besonders stark an?

Die Erklärung dafür finden wir in einer Verschiebung der Ladungen in den Elektronenpaarbindungen und der Gestalt der Wassermoleküle.
Werfen wir einmal nacheinander einen Blick darauf.

Aufgaben

  1. Erstellte mit Hilfe von M2 eine Argumentationskette, warum sich Wassermoleküle untereinander stark anziehen. Nutze die Begriffe Elektronegativität, Differenz der Elektronegativität, polare Bindung, Dipol, Dipol-Dipol-Wechselwirkung.
  2. Wenn Du noch Zeit hast, dann erkläre mit Hilfe von M3, warum ein Wassermolekül eine gewinkelte Form haben muss.
M2

Wo genau sind die Elektronen im Wassermolekül?

Eine polare Elektronenpaarbindung

In einigen Molekülen sind die Elektronen in Elektronenpaarbindungen nicht immer genau in der Mitte zwischen den beteiligten Atomen.
Einige Atome ziehen stärker an den Elektronen.
Das hat zur Folge, dass die Elektronen näher zu diesen Atomen hinrücken. 

Schauen wir uns das mal für das Wassermolekül an.

Im Wassermolekül sind die Bindungselektronen nicht gleich verteilt.3

Wann kommt es zu solchen polaren Bindungen?
Ganz einfach: wie stark ein Atom an den Elektronen einer Bindung zieht, ist eine Eigenschaft, die man Elektronegativität nennt. 
Sauerstoff hat eine deutlich höhere Elektronegativität als Wasserstoff.
Wenn es dir hilft, kannst du dir die daraus resultierende Verschiebung der Elektronen wie ein Seilziehen vorstellen.

Eine „vermenschlichte“ Analogie: das Sauerstoffatom zieht die Bindungselektronen zu sich.5

Die Elektronegativität

Die Elektronegativität wurde bereits für nahezu jedes Element bestimmt. Es ist eine Größe ohne Einheit. Der maximale Wert beträgt 4.

Schau mal in das erweiterte PSE3. Wo findest du Elemente mit hohen Werten für die Elektronegativität? Wo stehen die Elemente mit niedrigen Werten?

Welche Elemente haben gar keine Werte zugeschrieben bekommen? Warum könnte dies so sein?

Das PSE3 mit Werten für die Elektronegativität.3

Je größer die Elektronegativität eines Elements ist, desto stärker zieht ein Atom dieses Elements an den Elektronen der Elektronenpaarbindung.
Das macht sich natürlich nur immer dann bemerkbar, wenn die beteiligten Atome verschieden große Elektronegativitäten haben. 
Vereinfacht kann man sagen: Eine Bindung ist polar, wenn ein Bindungspartner die Elektronen deutlich stärker anzieht. Die Differenz der Elektronegativitäten (ΔEN) sollte dazu ungefähr größer als 0,4 sein.

Molekülgestalt und Dipolmoment

Nun wird es interessant! Wenn ein Molekül mindestens eine polare Bindung beinhaltet und zudem seine Gestalt so ist, dass dadurch eine Seite teilweise positiv und die andere teilweise negativ ist, dann hat das ganze Molekül zwei elektrische Pole. 

Solche Moleküle nennt man „Dipole“.

Man sagt fachsprachlich korrekt: „Da solche Moleküle ein permanentes Dipolmoment besitzen, können sich ihre partiell positiv und negativ geladenen Bereiche gegenseitig anziehen.“ Diese Anziehung nennt man „Dipol-Dipol-Wechselwirkungen“.

M3

Die Molekülgestalt ist vorgegeben

Erinnere dich an das Kugelwolkenmodell

Ein Sauerstoffatom im Kugelwolkenmodell.3

Die Kugelwolken mit den Elektronen sind nicht in einer Ebene (planar) angeordnet. Vielmehr zeigen sie „automatisch“ in die Ecken eines Tetraeders, da sich die Elektronen abstoßen.

Luftballons demonstrieren die energieärmste Anordnung der Kugelwolken.6

Das Elektronenpaarabstoßungs-Modell

Das Elektronenpaarabstoßungs-Modell (EPA-Modell)7 besagt, dass dies nun auch in den Molekülen gilt, die sich aus den Atomen bilden.

Moleküle haben folglich zwangsläufig eine bestimmte Gestalt. Das Wassermolekül ist z. B. gewinkelt.

Das kannst Du sehr gut in folgender Simulation sehen.

Molekülgeometrie nach dem EPA Modell – link zur Simulation bei PhET.8

Geht auf die Seite, teste verschiedene Einstellungen. Erkläre, was du siehst und welche Bedeutung einzelne Symbole oder die gewählten Darstellungen haben.

abschließende Aufgaben

  1. Entscheide, ob Stickstoffmoleküle (N2), und Sauerstoffmoleküle (O2) Dipole sind. Begründe deine Entscheidung.
  2. Gehe zurück zum Anfang: Erläutere nun, warum die Erde bei einer mittleren Temperatur von 16,5°C  an vielen Stellen mit flüssigem Wasser bedeckt ist, umgeben von einer dünnen Schicht überwiegend aus gasförmigem Stickstoff und gasförmigem Sauerstoff.

Lust auf mehr?

  1. Sind folgende Moleküle Dipole? Fluorwasserstoff (HF), Ammoniak (NH3), Methanal (CH2O) oder Kohlenstoffdioxid (CO2)

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Ein Tag am Meer: Flüssigkeit oder Gas?
Wie erklären wir uns den Zusammenhalt einiger Moleküle? Permanente Dipole ziehen sich an!
https://lncu.davidweninger.de/material/ein-gewoehnlicher-tage-am-meer/