Chemie
Sekundarstufe I
Chemische Bindungen & Kräfte
Salze & Ionen
Datum:

Ionen – geladene Teilchen

Seit Äonen im Wasser

03.03.2026
25092
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Gregor von BorstelCatalina Malien
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Die Idee dahinterPDF

Die Idee dahinter

Ziele
Die Schülerinnen und Schüler erkennen exemplarisch Ionen als reale, dauerhaft existierende, geladene Teilchen, die in wässrigen Lösungen stabil vorliegen, unterscheiden Kationen und Anionen anhand ihrer Ladung und Herkunft aus Atomen und deuten ihre Stabilität sowie ihr Verhalten im Wasser mithilfe von Ion-Dipol-Wechselwirkungen, ohne die Entstehung der Ionen bereits zu erklären.

Die Lernenden ...

  • unterscheiden Ionen von den entsprechenden Atomen anhand ihrer elektrischen Ladung und ordnen sie als Kationen oder Anionen ein.
  • beschreiben Ionen in wässrigen Lösungen als hydratisierte, stabile Teilchen und erklären ihr Verhalten mithilfe von Ion-Dipol-Wechselwirkungen.
  • nutzen geeignete Modelle und Symbolschreibweisen (z. B. Lewis-Schreibweise basierend auf Kugelwolkenmodell), um Ionen fachgerecht darzustellen und deren Eigenschaften auf Teilchenebene zu erläutern.
Einbettung

Ionen existieren im Wasser – Ionengitter und Eigenschaften ionischer Stoffe. Eine konzeptbildend angelegte Lernlinie zur Ionenbindung

Ionen werden hier als existierende, stabile Teilchen eingeführt – ohne ihre Entstehung aus Atomen zu thematisieren. Diese Entscheidung folgt dem Plädoyer von Herdt (2019), der darauf hinweist, dass die im Unterricht häufig gewählte Reihenfolge Atom → Elektronenübertragung → Ion → Ionenbindung bei Lernenden zu einer problematischen Verkürzung führen kann. Wird die Ionenbildung als Ausgangspunkt gesetzt, entsteht leicht der Eindruck, ionische Bindung sei primär das Ergebnis einer Elektronenübertragung zwischen Atomen.

Will man die Einheit so unterrichten, muss Wasser bereits als Dipol verstanden worden sein.

Didaktisch orientiert sich die Einheit am Basismodell der Konzeptbildung nach Oser, vom Prototyp über Merkmalsverdichtung zur Abstraktion und Vernetzung:

  • Prototypische Einführung:
    Ionen werden als geladene Teilchen in Wasser eingeführt – realitätsnah über Meer- oder Mineralwasser. Die Existenz stabiler Ionen in wässriger Umgebung wird nicht hergeleitet, sondern als beobachtbare Tatsache aufgegriffen. Damit wird ein tragfähiger Ausgangspunkt geschaffen: Ionen sind reale, geladene Teilchen, die in Lösung beständig vorliegen können.
  • Merkmalsverdichtung:
    Hydratation, elektrostatische Kräfte und regelmäßige Gitteranordnung werden systematisch herausgearbeitet. Die Lernenden erkennen, dass Stabilität sowohl im festen Ionengitter (Ion-Ion-Wechselwirkungen) als auch in wässriger Lösung (Ion-Dipol-Wechselwirkungen) entstehen kann. Der Lösevorgang wird als Wechsel der stabilisierenden Wechselwirkungen verstanden: Das Ionengitter wird überwunden, weil sich neue, energetisch günstige Wechselwirkungen zwischen Ionen und Wasserdipolen ausbilden. Damit wird das Strukturmodell differenziert und zugleich vorbereitet für eine energetische Betrachtung.
  • Abstraktion und Vernetzung: Kristallform, Brüchigkeit und Schmelztemperatur werden als Folge der Gitterstruktur verstanden; beim Lösen konkurrieren unterschiedliche Wechselwirkungen; diese Konkurrenz lässt sich energetisch bilanzieren. Im Kontext von Hotpot und Kühlpack wird die qualitative Strukturbetrachtung um eine energetische Perspektive erweitert: Gitterenergie und Hydratationsenergie werden als konkurrierende Beiträge zur Gesamtenergiebilanz eingeführt. Die zuvor modellierte Konkurrenz der Wechselwirkungen wird nun als Temperaturänderung beobachtbar. Gleichzeitig eröffnet der Kontext von selbsterwärmenden oder kühlenden Produkten eine Dimension der Beurteilungskompetenz. Die Lernenden analysieren nicht nur die physikalisch-chemischen Prozesse, sondern setzen diese in Beziehung zu ökologischen, ökonomischen und alltagspraktischen Aspekten.

    Auf diese Weise verbindet die Reihe fachliche Konzeptbildung mit urteilsbezogener Anwendung. Die Energetik des Lösevorgangs bleibt nicht abstrakt, sondern wird zum Anlass, naturwissenschaftliches Wissen verantwortungsvoll einzuordnen und zu bewerten.

Literatur
Herdt, D. (2019). Teaching ionic bonding: A plea for introducing the term ion before explaining ion formation. CHEMKON, 26(6), 237–249.

M1

Da ist noch mehr im Wasser!

Ein Blick durch unsere imaginäre Teilchenbrille

Wer einmal im Meer gebadet hat, weiß vermutlich, dass Meerwasser sehr salzig schmeckt! Woran liegt das? Wir haben ja bereits Wasser auf Teilchenebene betrachtet. Schauen wir einmal genauer hin.

Meerwasser durch die „Teilchenbrille“ betrachtet.1

Im Wasser sind neben den Wasserteilchen und gelösten Gasen auch Ionen. Die Ionen sorgen für den salzigen Geschmack.

Erinnerst du dich? Wir hatten im Zusammenhang mit dem Schalenmodell  der Atome bereits über Ionen gesprochen. Da sind positive Ionen entstanden, in dem man Elektronen aus Atomen entfernt hat. Es gibt auch andere Ionen, wie wir sehen werden.

Hydratisierte Ionen gibt es seit Äonen

Ion? Äon? Haben die Begriffe etwas miteinander zu tun? Und was heißt hydratisiert?

Das ist eher ein Wortspiel: Ionen sind geladene Teilchen. Mit Äon bezeichnet man einen sehr langen Zeitraum. Wenn man sagt „seit Äonen“, meint man: schon seit unglaublich langer Zeit. Viele Ionen sind also schon vor echt langer Zeit entstanden. Und hydratisiert bedeutet von Wasserteilchen umgeben.

Viele der Ionen, die in wässriger Lösung stabil sind, findet man nicht nur in Meerwasser sondern in geringerer Konzentration auch in Mineralwasser. Ihre Art und Konzentration wird darin laufend mit Hilfe von sogenannten Nachweisen in Analysen bestimmt. Ein Blick auf ein Etikett macht es uns einfach, sie kennenzulernen.

Beispiele für stabile Ionen in Wasser1

Aufgaben zum Einstieg

Auf dem Etikett des Mineralwassers in M1 sind verschiedene, geladene Teilchen aufgeführt.

  1. Erkläre die Einteilung der Teilchen in die Kategorien „Kationen und Anionen“.
  2. Benenne die Ionen auf dem Etikett, die aus einzelnen Atomen, nicht aber aus Molekülen bestehen (einfache Ionen).

Weitergehende Aufgaben

  1. Beschreibe an zwei Beispielen aus Galerie 2 die Anordnung der Wasserteilchen in der Hydrathülle um ein Anion und um ein Kation.
  2. Vergleiche ein Natrium-Atom (Na) mit einem Natrium-Ion (Na+) mithilfe der gegebenen Darstellungen im Kugelwolkenmodell in Galerie 3. Gehe dabei insbesondere auf die elektrische Ladung, die Anzahl der Valenzelektronen und die Größe ein.
    Mache dies auch mit dem Fluoratom (F) und Fluorid-Ion (F).
M2

Ionen genauer betrachtet

Wechselwirkungen mit Wassermolekülen

Ionen haben immer eine bestimmte Ladung. Sie werden daher in wässrigen Lösungen auf eine bestimmte Weise von Wasserteilchen umgeben.

Stabile Ionen in wässriger Lösung auf Teilchenebene.1

Wenn Ionen von Wasserteilchen umgeben sind, macht man dies auf der symbolischen Ebene in der Regel mit dem Zusatz (aq) kenntlich, z. B. Na+(aq) oder Cl(aq).

Zur Ladung der Ionen

Wir werden im weiteren Unterricht noch genauer betrachten, wie Ionen entstehen bzw. entstanden sind.

Lass uns heute nur ausgewählte Modelle der einatomigen, stabilen Ionen betrachten. Wenn wir sie mit den dazugehörigen Atomen vergleichen, können wir schnell erkennen, warum die Ionen so geladen sind, wie es auf dem Etikett angeben ist. 

Atome und Ionen in einem erweiterten Kugelwolkenmodell1

M3

Die Größe der Ionen

Zur Größe der Ionen

Das Kugelwolkenmodell in Galerie 3 spiegelt die Ionengröße nicht korrekt wider. Wir nutzen daher einmal folgende Darstellung.
Beachte, dass die Farben vom Autor des Bildes willkürlich gewählt wurde. Rot und Blau symbolisieren hier etwas Anderes, als wir es vom Kugelwolkenmodell gewohnt sind.

Größe der Atome und Ionen einiger chemischer Elemente in Picometer (grau: Atome, rot: Kationen, blau: Anionen)2

Die exakte Größe eines Ions kann leicht schwanken und hängt von seiner Umgebung ab. Die dargestellten Werte sind daher als Mittelwerte zu verstehen.

Weitergedacht

  1. Beschreibe mithilfe der Modelle in Abb. 1 den Größenunterschied zwischen einem Natrium-Atom und einem Natrium-Ion (Na⁺).
  2. Erläutere an zwei Beispielen, warum sich die Größe beim Übergang von einem Atom zu einem Ion verändert.
  3. Benenne allgemein erkennbare Tendenzen in den Größen der Atome und ihrer stabilen Ionen im PSE.
  4. Formuliere einen Merksatz, der zusammenfasst, was Ionen sind, wie sie sich von Atomen unterscheiden und auf Teilchenebene wie sie in Wasser stabil vorkommen.

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Ionen – geladene Teilchen
Seit Äonen im Wasser
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