Ein Modell als Strukturierungshilfe
Weiteres
Das WAAGER-Modell kurz dargestellt.7
Wofür ist das WAAGE(R)-Modell gut?
Es hilft dir, Entscheidungen nicht nur aus dem Bauch heraus zu treffen, sondern Schritt für Schritt zu durchdenken.
Du lernst, ein Problem bewusst wahrzunehmen, verschiedene Lösungsansätze, Handlungsoptionen oder Informationen zu analysieren, Argumente aufzustellen oder Kriterien zu prüfen und unterschiedliche Interessen zu erkennen. Anschließend gewichtest du Kriterien und triffst eine begründete Entscheidung, die du auch vor anderen erklären kannst. Mitunter reflektierst du dann z. B. „Am Anfang dachte ich, … .Nun denke ich, …“.
Weiteres
Das klingt viel auf einmal, oder? Wir können auch erst einmal einzelne Aspekte herausgreifen!
Wie nutze ich das WAAGE(R)-Modell konkret? Hier ein Beispiel
Beispiel "Hotpots und Kühlpacks"
Stell dir vor, du musst entscheiden: Selbstheizender Einwegbecher, Instant-Essen mit einer Erhitzerschale zum wegwerfen oder auch Kühlkompresse – sinnvoll oder Quatsch?
Eine Beschriftung.8
Viele sagen sofort „viel Plastikmüll = schlecht“ oder „voll praktisch = gut“. Das ist aber erst eine Meinung. Mit WAAGEᴿ machst du daraus ein begründetes Urteil.
W wie Wahrnehmen
Formuliere zunächst, worum es geht. Schreib auch deine erste Bauchentscheidung auf („Spontan finde ich …“). Das brauchst du später für den Vergleich.
Das Essen, die Kühlkompresse oder auch das Getränk lassen sich ohne Strom erhitzen oder abkühlen. Ganz schön praktisch.
Das sind alles einmal zu verwendende Produkte mit viel Umverpackung. Man produziert viel Abfall.
A wie Analysieren
Notiere, welche Möglichkeiten es gibt, sammle verschiedene Optionen zum Beispiel:
- man kann die Produkte nutzen
- man kann Alternative nutzen (Thermoskanne/Kühlakku)
- nur im Notfall benutzen
- wäre eine erneute Nutzung bzw. Wiederverwendung möglich?
Hier gehört auch rein sich zu fragen: „Was muss ich eigentlich wissen?“ In unserem Beispiel:
Wie lange hält Wärme/Kälte? Woraus besteht das Produkt? Funktioniert es zufriedenstellend? Wie funktioniert es? Kann man es mehrfach verwenden? Ist es gefährlich? Wie viel Müll produziert man für wie viel Essen?
A wie Argumentieren
Du kannst auf zwei Arten arbeiten:
Ein gutes Argument besteht aus
(1) einer Tatsache,
(2) einem Wert oder Anspruch und
(3) einer Schlussfolgerung.
Beispiel 1 (ökologischer Aspekt): (1) Der Hotpot enthält wenig Getränk aber viel Erhitzermaterial und Einweg-Plastik und das wird nach einmaliger Nutzung weggeworfen. (2) Ressourcen sollen möglichst sparsam genutzt und ich möchte dazu beitragen, Müll zu vermeiden. (3) Deshalb ist die Nutzung eines Hotpots aus ökologischer Sicht problematisch.
Beispiel 2 (Praxistauglichkeit): (1) Ein Kühlpack kann unterwegs auch ohne Kühlschrank bei Verletzungen helfen. (2) Solche praktischen Lösungen sind wichtig, wenn ich keinen Zugang zu anderweitig Gekühltem habe. (3) In bestimmten Situationen ohne Alternativen möchte ich ein Kühlpack verwenden, weil sein Einsatz da sinnvoll sein kann.
So wird aus einer Meinung ein begründetes Argument.
Ost ist es schneller oder übersichtlicher, Kriterien zu nutzen. Du wählst z. B. 4–6 Kriterien aus und bewertest jede Option danach. Das ist besonders sinnvoll, wenn viele Aspekte gleichzeitig wichtig sind.
Für den Einwegbecher oder die Kühlkompresse passen als ökologische Kriterien typischerweise: Materialeinsatz pro Nutzung, Trennbarkeit/Recycling, Wirkungsdauer im Verhältnis zum Material, Sicherheits-/Umweltrisiken bei Auslaufen, Alternativen.
Es könnten auch Kriterien aus anderen Bereichen in Betracht kommen wie Praktikabilität, ökonomische Faktoren wie Preis, Coolness Faktor, …
G wie Gewichten
Nicht alles ist gleich wichtig. Du legst fest, ob dir z. B. „Müll/Trennbarkeit“ wichtiger ist als „Komfort“, Ökologie (ich greife zu nachhaltig hergestellten Produkt …) wichtiger als Preis (… auch wenn es teurer ist) oder ob der Coolnessfaktor (mir ist es wichtig, dass es ansprechend aussieht) eine geringe Praktikabilität schlägt.
Du kannst z. B. Punkte vergeben (0–5) oder Zeichen (+/- ) nutzen und alles gegeneinander aufwiegen.
Manchmal gibt es aber aus deiner Sicht auch ein K.o.-Kriterium (z. B. „Die Verwendung ist zu gefährlich“). Dieses würde dann alle anderen Kriterien schlagen.
E wie Entscheiden
Jetzt triffst du eine begründete Entscheidung: „Im Alltag ist ein Einsatz gar nicht sinnvoll, im Notfall aber vertretbar“ – oder anders. Und du verweist dabei auf deine Gewichtung („Weil Kriterium X oder Y für mich besonders wichtig ist …“)
R wie Reflektieren
Vergleiche deine Bauchmeinung mit deinem Endurteil: Hat sich etwas geändert? Reflektiere auch den Prozess: Welche Infos hätten deine Entscheidung noch besser gemacht? Welche Folgen könnte deine Entscheidung haben? Diese Reflexion ist kein „Extra“, sondern Teil guter Bewertungskompetenz. Hier ein Mini-Beispiel zum Einweg-Heizbecher und Kühlpack:
W: „ganz schön praktisch ohne Strom“ vs. „Einwegmüll“
A: Es gibt die Optionen Einwegbecher / Thermoskanne / nur Notfall. Die Produkte funktionieren prinzipiell, aber es entsteht viel Müll!
A: gewählte Kriterien: Müll; Trennbarkeit; Wirkungsdauer; Luxus oder notwendig? Alternativen; Sicherheit
G: Müllaspekt sehr wichtig, Sicherheit ein k.o. Kriterium, Notwendigkeit mittel, Alternativen hoch
E: „Im Alltag sind die Produkte nicht sinnvoll (Kochen oder Thermoskanne besser), das Essen scheidet aus, denn es ist gefährlich, es herzustellen, das Kühlpack ist Notfall eine sinnvolle Möglichkeit, wenn ich mir nicht anders zu behelfen weiß.
R: „Am Anfang fand ich’s cool – jetzt sehe ich, dass der Nutzen kurz ist, der Abfall aber bleibt.“ Ich werde …


