Chemie
Sekundarstufe II
Organische Stoffklassen
Oxidation
Datum:

Der Abbau von Ethanol zu Ethanal

Ein oxidativer Vorgang?

21.12.2025
23581
175

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ID 23581

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Gregor von BorstelDavid Weninger
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Die Idee dahinterPDF

Die Idee dahinter

Ziele
Die Lernenden lernen am Beispiel der Oxidation von 1-Propanol mit Kupferoxid die Bestimmung und Verwendung von Oxidationszahlen auf Basis von Strukturformeln erstmalig kennen.

Die Lernenden ...

  • können die Oxidationszahlen nutzen, um die Umwandlung von Ethanol zu Ethanal als Oxidation zu beschreiben,.
  • in dem sie ihr Wissen bezüglich der Redoxreaktionen als Elektronenübertragungsreaktionen aus der Sekundarstufe I reaktivieren,.
  • ausgehend von einem Beispiel die Notwendigkeit zur Einführung fiktiver Ladungen in Molekülen erkennen,.
  • unter Verwendung des PSE (Hauptgruppen, EN) Oxidationszahlen in ausgewählten Strukturformeln angeleitet und dann selbstständig bestimmen,.
  • das Gelernte auf eine andere Reaktion übertragen und fachsprachlich angemessen erläutern.
Beschreibung

Zentral wird die Einführung und Anwendung des Konzepts der Oxidationszahlen sein. Daher folgt die Sequenz insgesamt dem Basismodell der „Konzeptbildung“ nach Oser1

  1. Bewusstmachung des Vorwissens
  2. Durcharbeiten eines Prototyps
  3. Beschreibung der wichtigen Merkmale eines Konzepts
  4. Aktiver Umgang mit dem neuen Konzept
  5. Anwenden des neuen Konzepts in anderen Kontexten

Aus Schülerperspektive wird das inhaltliche Ziel zunächst grob umrissen und anschließend der Weg durch einen Prototyp vorgegeben. Die Lernenden sollen dessen vorgegebene Struktur nachkonstruieren, verallgemeinern und aktiv anwenden. Minimales Ziel ist das Erfassen der fachwissenschaftlichen Begriffen, Zusammenhänge und des Konzepts, maximal geht es um dessen flexible Anwendbarkeit.
Der Lehrer muss als Experte den Prototyp als Lernangebot bereitstellen und bei der Einführung und Abgrenzung steuern.
Die erste Stunde dient vor allem der Bewusstmachung der Grenzen des Vorwissens und stützt sich dabei auf eine enge personale Steuerung. Erst in den folgenden Stunden arbeiten die Lernenden auch stärker materialbasiert eigenständig. Für Berufseinsteiger oder Lehramtsanwärter mag diese starke personale Steuerung ungewöhnlich sein. Sie ist aber an dieser Stelle im Chemieunterricht funktional! Die häufige Sichtstruktur für einen Unterricht, der dem Basismodell „Konzeptbilden“ folgt, ist zunächst ein darbietender, entwickelnder Unterricht z. B. mit einem Demonstrationsexperiment und folgender Anwendung bzw. Transfer.

Möglicher Ablauf
1. Bewusstmachung des Vorwissens
Mit Hilfe weniger Informationen im Kontext der Verstoffwechslung von Ethanol im Körper wird der Begriff des „oxidativen Abbaus“ [M1] als zentraler Begriff der folgenden Sequenz in den Mittelpunkt gestellt, den es zu erläutern gilt.

Im Plenum trägt man den aktuellen Wissensstand zum Fachbegriff Oxidation zusammen und fokussiert zügig auf die Übertragung von Elektronen.

Die Lernenden werden über die Tragweite des nun zu erarbeitenden Konzepts informiert. Zugleich wird herausgestellt, dass an einem Modellversuch geklärt werden soll, wie man die Übertragung von Elektronen auf Teilchenebene erkennbar macht und notiert.
Im Labor greift man dafür auf die Oxidation von 1-Propanol zu Propanal mit Kupferoxid zurück. Hier ist die Reduktion zu elementarem Kupfer gut sichtbar und wird damit Ausgangspunkt der schrittweisen Erörterung. Zudem ist Propanal weniger gefährlich als Ethanal. Beides lässt sich leicht transparent begründen.

Der Vorversuch (Kupfer wird an der Luft im Brenner oxidiert) stellt eine Sichtbarmachung der Grenzen des Bisherigen dar: Aus Metall und molekularem Element wird ein Salz. Ladungen dienen der Erkenntnis von Elektronenverschiebungen

Nach der Notation wird das Kupferblech erneut in der Flamme erhitzt und in 1-Propanol getaucht. Alle Beobachtungen werden notiert und führen zur Grenze des Erklärbaren.
Aufgrund der Ladung ist klar, das Kupfer-Ionen reduziert wurden. Was aber wird oxidiert? Die Schüler/innen vermuten hier in der Regel, dass erneut der Sauerstoff Elektronenspender ist. Es wird abschließend festgehalten, dass dies so nicht eindeutig zu klären ist, da Sauerstoff nach der Reaktion in Molekülen gebunden und damit seine Ladung nicht eindeutig zu bestimmen ist.

Hier endet die (oftmals einstündige!) Phase der Bewusstmachung des Vorwissens und es folgt die Einführung des neuen Konzepts mit Hilfe eines Prototypens.
2. Durcharbeiten eines Prototyps
Anders als in zahlreichen Schulbüchern werden die Oxidationszahlen am Beispiel Wasser eingeführt (kleine Moleküle, eigene Gedankenleistung beim Übertrag auf die Kohlenstoffatome in Propanol und später Ethanol).
Der zentrale Arbeitsauftrag lautet: stelle heraus welches Atom oder Teil des Moleküls im Verlauf der Reaktion Elektronen abgibt.
Dafür erfassen die Lernenden mit Hilfe eines Prototyps die Vorgehensweise zur Erstellung von Oxidationszahlen materialbasiert in Einzel- oder Partnerarbeit.
3. Beschreibung der wichtigen Merkmale eines Konzepts
… ggf. unterstützt durch weitere Texte (Schulbuch) oder auch nur anhand der Vorgehensweise werden die wichtigsten Schritte und Erkenntnismöglichkeiten zusammengestellt und festgehalten.

4. Aktiver Umgang mit dem neuen Konzept

Die Oxidationszahlen für die Kohlenstoffatome werden von den Lernenden als Teil ihres Lernproduktes präsentiert und diskutiert. Basierend auf den Ergebnissen wird der zentrale Arbeitsauftrag geklärt und die Erkenntnisse auf den Abbau von Ethanol im Körper durch Rückgriff auf die Folien zu Beginn übertragen. Für starke Lernende auch mit paralleler Betrachtung der Reduktion im Körper. Vereinfacht man die Betrachtung von NAD auf molekularer Ebene, so gelingt auch dies in der Einführungsphase.

5. Anwenden des neuen Konzepts in anderen Kontexten
… folgt mit Betrachtung der Alkanale, deren Nachweisreaktionen und Umwandlung zu Alkansäuren.

Einbettung

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Aufgaben

  1. Fassen Sie die wesentlichen Aussagen von M1 und M2 mündlich zusammen.
  2. Formulieren Sie wiederholend, was unter den Fachbegriffen Oxidation und Reduktion zu verstehen ist.
  3. Prüfen Sie für sich, ob Sie bei Ansicht der Reaktionsgleichung erkennen könnten, dass es sich bei der Umwandlung von Ethanol zu Ethanal um einen oxidativen Abbau handelt.
M1

Ethanal, ein Oxidationsprodukt?

Risiken durch Ethanol und seine Abbauprodukte

Seit einiger Zeit gibt es ein Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), in welchem sie betont, dass es keine sichere oder gesundheitsfördernde Menge an Alkohol gibt. Die Empfehlung lautet,  grundsätzlich auf Alkohol zu verzichten.

Dort steht: „Der Konsum alkoholischer Getränke ist ein führender Risikofaktor für eine Vielzahl von Erkrankungen und vorzeitigen Tod […]. Die psychoaktiven und schädlichen Auswirkungen alkoholischer Getränke werden zum größten Teil dem darin enthaltenen Ethanol […] bzw. seinen im Körper entstehenden Abbauprodukten, insbesondere Acetaldehyd (Ethanal), zugeschrieben.2

Dass Ethanol gefährlich ist, wusste ich. Aber was ist Ethanal? Und wie entsteht das im Körper?

Laut Fachleuten entsteht es durch Oxidation. Im Ethanal sehen einige Wissenschaftler den eigentlichen Verursacher des sogenannten Katers, also Übelkeit, Erbrechen, hämmernde Kopfschmerzen etc.3

Bisher Bekanntes und Unbekanntes zur Oxidation

Oxidationen und auch Redoxreaktionen kennen wir bereits aus einem anderen Zusammenhang, z. B. der Elektrochemie.

Redoxreaktionen an einer Eisenleiter in einer Kupfermine.4

Bei Redoxreaktionen, an denen Ionen beteiligt sind, ist der Elektronenaustausch relativ leicht zu erkennen, denn da kann man die Zahl der abgegebenen bzw. aufgenommenen Elektronen direkt aus der Ladung der einzelnen Ionen ablesen.
Redoxreaktionen, also ein Elektronenaustausch, gibt es auch zwischen Molekülen.

Aber wie kann man hier Oxidation und Reduktion erkennen?

Reaktionsgleichungen zur Redoxreaktion im Körper.5

Was können wir schon erklären?

  1. In M2 wird von zwei Versuchen gesprochen. Notieren Sie nach Ansicht des Videos und unter Beachtung der Informationen für beide Reaktionen möglichst alle jeweiligen Edukte und Produkte in ihren Strukturformeln (think – pair – share).
  2. Versuchen Sie bei allen ionischen Verbindungen bereits eventuelle Ladungen zu bestimmen.

Eine Frage zum Setting

  1. Stellen Sie abseits davon eine begründete Vermutung auf, warum wir im Modellexperiment im Labor Propan-1-ol anstelle von Ethanol verwenden.
M2

Wir nähern uns an: Zwei Modellexperimente

Weiteres

Um den Begriff der Oxidation in diesem Zusammenhang besser zu verstehen, schauen wir uns eine ähnliche Reaktion im Labor an. Auch hier oxidieren wir einen Alkohol, ersetzen aber Ethanol durch Propan-1-ol und NAD+ durch Kupferoxid:

Eintauchen von heißem Kupferoxid in Propan-1-ol6

Weiteres

Bei dem Demonstrationsexperiment handelt es sich streng genommen um zwei Versuche:

  1. Zunächst wird Kupfer in der Brennerflamme durch Sauerstoff aus der Luft zu Kupferoxid (CuO) oxidiert.
  2. Dann wir das erhitzte Drahtnetz mit dem Kupferoxid in Propan-1-ol getaucht. Dabei entstehen Propanal und Wasser.

Beide Produkte ließen sich eindeutig nachweisen. Darauf wird hier verzichtet.

Bei der gemeinsamen Auswertung der beiden Versuch lernst du, Elektronenübertragungen mit Hilfe von sogenannten Oxidationszahlen sichtbar zu machen.

Wir wollen dazu erst einmal zusammen schauen, was wir bereits erkennen und an welcher Stelle in der Beschreibung der Redoxvorgänge wir im Moment noch scheitern (müssen).

Oxidationszahlen bestimmen und nutzen

  1. Vollziehen Sie das Beispiel aus M3 nach.
  2. „Thinking classroom“: Wenden Sie das Konzept der Oxidationszahlen auf die Reaktion von Propan-1-ol mit Kupferoxid an. Ermitteln Sie, welcher Reaktionspartner Elektronendonator und welcher Reaktionspartner Elektronenakzeptor ist. Beziehen Sie gemeinsam eine begründete Position, die Sie auch vorstellen können.
  3. Für Schnelle: Skizzieren Sie 2-Butanol und 2-Methyl-2-butanol in ihrer Valenzstrichformel und bestimmen Sie alle Oxidationszahlen im Molekül.
M3

Das Konzept der sogenannten Oxidationszahlen

Redoxreaktionen mit Molekülen

Bei vielen (bio)chemischen Reaktionen handelt es sich um Redoxreaktionen, d.h. in irgendeiner Form werden Elektronen ausgetauscht.
Das ist anfänglich schwer zu erkennen, da die Atome in Molekülen oft keine echten Ladungen aufweisen. Hier helfen die sogenannten Oxidationszahlen. Diese beschreiben an Stelle von echten Ladungen „fiktive“.
Wie man Oxidationszahlen ermittelt und benutzt betrachten wir einmal an der Beispielreaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff zu Wasser.

Oxidatonszahlen - ein einfaches Beispiel
ΔEN
ΔEN
ΔEN
Ox.-Zahl
Ox.-Zahl
Ox.-Zahl

Oxidationszahlen aus Strukturformeln ableiten.7

Wie gehen wir vor?

Erklärung der Methode.7

Oxidationszahlen bestimmen - Vorgehensweise detaillierter erklärt

Betrachte in der Strukturformel die bindenden Elektronenpaare. Für die Aufstellung von Oxidationszahlen prüfe, ob die Elektronen vollständig einem der beiden Atome zugeordnet werden können.

  1. gleiche Elektronegativität → Elektronen werden gerecht geteilt.
    Haben zwei Atome dieselbe Elektronegativität, bekommt jeder Partner gedanklich ein Elektron aus dem gemeinsamen Paar.
    Beispiel: H–H in H2 → beide Wasserstoffatome erhalten je 1 Elektron → Oxidationszahl: 0.
  2. unterschiedliche Elektronegativität → Das elektronegativere Atom „zieht“ die Bindungselektronen stärker an und bekommt deshalb beide Elektronen zugeordnet. Beispiel H2O: Sauerstoff (EN = 3,5) ist deutlich elektronegativer als Wasserstoff (EN = 2,1). → In jeder O–H-Bindung ordnen wir beide Elektronen dem O-Atom zu.

Oxidationszahlen aus der Zuordnung ableiten (Vergleich zum elementaren Atom)

Wasserstoff:
Ein einzelnes Wasserstoffatom besitzt 1 Valenzelektron. Im Wassermolekül bekommt es aus der O–H-Bindung kein Elektron mehr zugeordnet. → Es „verliert“ ein Elektron im Vergleich zum elementaren Zustand (Oxidationszahl 0) → Oxidationszahl: +I

Sauerstoff:
Ein einzelnes Sauerstoffatom besitzt 6 Valenzelektronen. Im Wassermolekül werden ihm durch beide O–H-Bindungen zwei zusätzliche Elektronen zugeordnet. → Es „gewinnt“ zwei Elektronen im Vergleich zum elementaren Zustand (dort Oxidationszahl 0) → Oxidationszahl: –II

Mache am Ende eine schnelle Kontrolle über die Gesamtladung: 
Die Oxidationszahlen der beiden Wasserstoffatome (+I und +I) und des Sauerstoffatoms (–II) im Wassermolekül ergeben zusammen 0 → passt zur Gesamtladung eines neutralen Wassermoleküls.

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Der Abbau von Ethanol zu Ethanal
Ein oxidativer Vorgang?
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