Aufgaben
- Erläutern Sie, welche Faktoren die Löslichkeit von CO2 in Wasser beeinflussen und inwiefern sich Oberflächenwasser und Tiefenwasser des Lake Nyos gravierend unterscheiden.
- Erklären Sie den Verlauf der „Sättigungslinie“ in Abb. 3.
- Beschreiben und erklären Sie in Form einer Argumentationskette, welche Prozesse nach dem Erdrutsch im August 1986 im Lake Nyos abliefen und zur Katastrophe führten. Stellen Sie dabei die Kausalitäten klar heraus und binden Sie die Daten aus M1 in ihrer Argumentation mit ein. Bringen Sie die einzelnen Prozesse mit den entsprechenden Beobachtungen der Augenzeugen in Zusammenhang.
- Erläutern Sie die Ursachen der Veränderungen der CO2-Konzentrationen von November 1986 bis Januar 2001
- Erklären Sie mit M3 die Funktionsweise der Entgasungsanlage. Gehen Sie dabei auch darauf ein, weshalb das Wasser von selbst weitersprudelte! Beurteilen Sie mithilfe von Abb. 5 den Erfolg der Entgasungsmaßnahme.
Anregungen
Mit Hilfe dieser Übungsaufgabe können Sie das bisher Gelernte anwendend üben und zugleich prüfen, ob Sie bereits anhand ausgewählter Reaktionen die Beeinflussung des chemischen Gleichgewichts nach dem Prinzip von Le Chatelier erklären können.
Damit dies funktioniert, sollten Sie zunächst die Aufgaben eigenständig bearbeiten und die Lösungen dann zum Abgleich nutzen.
Mit Hilfe dieser Übungsaufgabe können Sie das bisher Gelernte anwendend üben und zugleich prüfen, ob Sie bereits anhand ausgewählter Reaktionen die Beeinflussung des chemischen Gleichgewichts nach dem Prinzip von Le Chatelier erklären können.
Damit dies funktioniert, sollten Sie zunächst die Aufgaben eigenständig bearbeiten und die Lösungen dann zum Abgleich nutzen.
Die Sättigungskonzentration steigt mit zunehmender Wassertiefe proportional zur Tiefe kontinuierlich an: An der Wasseroberfläche beträgt die Sättigungskonzentration knapp über 0 mmol/kg, in 130 m Tiefe beträgt die Sättigungskonzentration schon etwa 400 mmol/kg. Dies ist darauf zurückzuführen, dass mit zunehmender Wassertiefe auch der Druck kontinuierlich zunimmt. Dies ist in Abb. 3 dargestellt. Da durch den steigenden Druck die Löslichkeit zunimmt (Aufgaben 1), nimmt die auch die Sättigungskonzentration (entspricht der Löslichkeit) zu.
Stichpunkte für eine Argumentationskette
Auslösender Faktor – Erdrutsch
Ein Erdrutsch am Kraterhang (Abb. 1 unten) verdrängt massive Wassermassen im Tiefenbereich des Sees. Dies führt zur plötzlichen vertikalen Bewegung von CO2-reichem Tiefenwasser (vgl. M2: Konzentration ~350 mmol/kg in 130 m Tiefe vor der Eruption).
➔ Beobachtung: „Grollen“ (Erdrutschgeräusch), beschrieben von Augenzeugen.
Druckabfall und CO2-Übersättigung
Das nach oben gedrückte Tiefenwasser gerät in geringere Tiefen mit niedrigerem hydrostatischem Druck (vgl. M2: Sättigungslinie in Abb. 3). Laut Le Chatelier – Lösung zu Aufgabe 1 sinkt die CO2-Löslichkeit (zum Nachlesen: Henry Gesetz) , was kurzfristig zur Übersättigung führt
➔ Beobachtung: „Blubbern“ (Gasblasenbildung).
Selbstverstärkender Effekt (Kettenreaktion)
AufsteigendeCO2-Blasen vergrößern sich durch Druckabfall (zum Nachlesen: Boyle-Mariotte-Gesetz), ziehen durch ihren Auftrieb zusätzliches Tiefenwasser nach oben und lösen weitere Entgasung aus.
➔ Datenbezug: In 200 m Tiefe lag die CO2-Konzentration 1986 nahe der Sättigungsgrenze (~375 mmol/kg, Abb. 2.2), was die massive Freisetzung erklärt.
Explosive CO2-Freisetzung
Die expandierenden Gasblasen erzeugen eine vertikale Wasserfontäne (Energieübertragung durch Auftriebskräfte).
➔ Beobachtung: „Riesige Fontäne“ mit zerstäubtem Wasser (weiße Wolke).
Ausbreitung der CO2-Wolke
Freigesetztes CO2 (Recherche zur Dichte: ~1,98 kg/m³) bildet eine bodennahe, tödliche Gaswolke, die ins Tal abfließt.
➔ Beobachtung: Todesfälle durch CO2-Ersticken in tiefer gelegenen Gebieten.
Sedimentaufwirbelung und -ablagerung
Turbulente Wasserbewegungen suspendieren Schlammpartikel aus dem Seeboden. Durch das Abklingen der Strömung sedimentieren diese langsam (Sortierung nach Korngröße).
➔ Beobachtung: „Bräunliche Färbung“ des Oberflächenwassers Tage nach der Eruption.
Kausalkette visualisiert
Erdrutsch → Vertikale Wasserbewegung → Druckabfall → CO2-Entgasung → Auftriebseffekte → Kettenreaktion → Fontäne/Gaswolke → Sedimenttransport → Sedimentation.
Stütze durch M2-Daten
Abb. 3 zeigt die kritische Rolle der Tiefenabhängigkeit: In 130 m Tiefe lag das Wasser 1986 bereits nahe der Sättigung (350 vs. 400 mmol/kg Sättigungswert).
Post-Eruptive Messungen (Nov. 1986) zeigen stark reduzierte CO2-Werte in Oberflächennähe, da das Gas ausgetreten war.
Kritische Faktoren
Positive Rückkopplung: Jede CO2-Blasenbildung senkt den Druck weiter und beschleunigt die Entgasung.
Thermische Stabilität: Trotz wärmeren Tiefenwassers (~25°C) verhinderte die höhere Dichte (durch Salz/CO2) die natürliche Zirkulation – ein labiles System, das durch den Erdrutsch destabilisiert wurde.
CO2-Konzentrationsveränderungen im Lake Nyos (1986-2001)
Ausgangssituation nach der Katastrophe
Nach dem verheerenden CO2-Ausbruch im August 1986 zeigte der Lake Nyos eine deutliche Schichtung der CO2-Konzentrationen. Die obersten 40 Meter des Sees waren praktisch CO2-frei, da hier ein ständiger Austausch mit der Atmosphäre stattfand. Ab 40 Metern Tiefe stieg die Konzentration allmählich an und erreichte in 150 Metern Tiefe etwa 125 mmol/kg.
Entwicklung in den Tiefenzonen
In den tiefsten Bereichen des Sees, besonders ab 190-200 Metern Tiefe, wurden die dramatischsten Veränderungen beobachtet. Die CO2-Konzentration am Seeboden (ca. 210 m) stieg von ursprünglich 210 mmol/kg im November 1986 auf etwa 300 mmol/kg im November 1993 und erreichte im Januar 2001 bereits 350 mmol/kg. Besonders bemerkenswert war die vertikale Ausbreitung der CO2-reichen Schicht: Während 1986 nur die untersten 10 Meter betroffen waren, dehnte sich dieser Bereich bis 1993 auf 20 Meter und bis 2001 sogar auf 30 Meter über dem Seeboden aus.
Ursachen der Veränderungen
Die kontinuierliche Zunahme der CO2-Konzentration hatte mehrere Gründe. Der wichtigste Faktor war das ständige Nachströmen von vulkanischem CO2 aus der Magmakammer unter dem Seeboden. Die stabile Schichtung des Sees verhinderte dabei eine Vermischung der Wasserschichten: Das Tiefenwasser wies trotz seiner etwas höheren Temperatur (25°C gegenüber 23°C an der Oberfläche) eine größere Dichte auf, bedingt durch den hohen Gehalt an gelöstem CO2 und verschiedenen Salzen. Die Ausbreitung des CO2 in höhere Wasserschichten erfolgte ausschließlich durch langsame Diffusionsprozesse, die über Jahre hinweg wirkten.
Bedeutung für die Sicherheit
Diese kontinuierliche Anreicherung von CO2 im Tiefenwasser stellte ein wachsendes Risiko dar, da sich die Konzentrationen immer mehr der Sättigungsgrenze näherten. Dies machte die später eingeführten Entgasungsmaßnahmen (ab 2001) zu einer notwendigen Sicherheitsmaßnahme, um eine erneute Katastrophe zu verhindern.
Funktionsweise der Entgasungsanlage am Lake Nyos
Grundprinzip der Entgasung
Die Entgasungsanlage nutzt einen cleveren physikalischen Effekt: Zunächst wird CO2-reiches Tiefenwasser durch eine Saugpumpe in einem Rohr nach oben befördert. Dabei wird ein sich selbst verstärkender Prozess in Gang gesetzt, der nach dem Anlaufen keine weitere Pumpenenergie mehr benötigt.
Ablauf des Entgasungsprozesses
Startphase:
Eine Pumpe saugt Tiefenwasser aus etwa 203 m Tiefe an. Durch das Ansaugen wird der Druck am unteren Rohrende verringert. Das Wasser steigt im Rohr nach oben
Selbstverstärkender Prozess:
Mit abnehmendem Druck (geringere Wassertiefe) sinkt die CO2-Löslichkeit. Es bilden sich CO2-Gasblasen im aufsteigenden Wasser. Die Gasblasen dehnen sich beim Aufstieg weiter aus. Die aufsteigenden Blasen erzeugen einen Sog, der weiteres Tiefenwasser nachzieht.
Erklärung der Selbsterhaltung
Der Prozess erhält sich selbst, weil sie aufsteigenden Gasblasen Wasser mit nach oben „reißen“. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der neues CO2-reiches Tiefenwasser ansaugt. Im nachströmenden Wasser wiederholt sich der Prozess der Blasenbildung. Dies führt zu einer effektiven und energiesparenden Methode, das gefährlich angereicherte CO2aus dem Tiefenwasser zu entfernen.
Beurteilung der Erfolgs der Entgasungsmaßnahme
Die Abbildung zeigt die Entwicklung der konzentrierten Mengen an gelöstem CO2 in den Tiefenschichten der Seen Nyos und Monoun über mehrere Jahre vor und nach der Installation der Entgasungssysteme.
Vor der Entgasung (vor 2001 bei Lake Nyos und vor 2003 bei Lake Monoun) stieg der CO2-Gehalt kontinuierlich an, was auf eine permanente magmatische CO2-Zufuhr hindeutet. Im Fall von Lake Monoun zeigte sich, dass die CO2-Sättigung ab etwa 1999 so stark zunahm, dass ein erneutes Risiko für einen („limnischen“) Ausbruch bestand. Nach Beginn der Entgasung sank im Lake Nyos (2001) und im Lake Monoun (2003) der CO2-Gehalt deutlich.
Die Installation von Entgasungssystemen führte folglich zu einem kontinuierlichen Rückgang des CO2-Gehalts (auch in den tieferen Schichten) beider Seen. Bei Lake Monoun war der CO₂-Gehalt bis 2011 auf unter 20% des ursprünglichen Wertes gesenkt worden. Bei Lake Nyos zeigte sich ebenfalls ein drastischer Rückgang.
Der Umstieg auf zusätzliche Entgasungsrohre ab 2011 beschleunigte diesen Prozess.
Die Zunahme an Sicherheit zeigt sich auch daran, dass die Systeme die CO2-Konzentration stets unter dem kritischen Schwellenwert für eine Sättigung halten konnten. Dies verhindert die Bildung von Blasen, die eine explosive Freisetzung auslösen könnten.
Trotz des Erfolgs besteht eine kontinuierliche Zufuhr von magmatischem CO2 aus dem Untergrund. Daher sind regelmäßige Beobachtungen zum Monitoring der CO2-Werte nötig und Erweiterungen und Wartungen der Entgasungssysteme erforderlich, um eine erneute Gefährdung auszuschließen, beispielsweise in Lake Monoun, wo seit 2014 ein zusätzlicher CO2-Aufbau festgestellt wurde.
Material
Weiteres
Der Lake Nyos ist ein See in Kamerun, der einen Vulkankrater ausfüllt, welcher in etwa 1100 m Höhe liegt. Der See ist etwa 200 m tief und weist zwei Besonderheiten auf:
- Am Grund des Kraters entweicht ständig CO2 aus dem Boden und löst sich im Tiefenwasser des Sees. Das CO2 ist vulkanischen Ursprungs und stammt aus einer Magmakammer unter dem See.
- Zudem strahlt der Boden des Sees zwar ständig Wärme ab, wodurch das Tiefenwasser geringfügig wärmer ist (ca. 25 °C) als das darüberliegende Wasser (ca. 23°C). Trotz der etwas höheren Temperatur hat das Tiefenwasser aber aufgrund der deutlich höheren Konzentrationen von CO2 und von diversen gelösten Salzen, die bei der Zersetzung von abgesunkenem totem organischem Material entstehen, eine größere Dichte als das darüberliegende Wasser. Jahreszeitlich bedingte Temperaturveränderungen des Oberflächenwassers gibt es wegen des tropischen Klimas kaum. Also kommt es zu keiner Umwälzung des Wassers.
oben: der See im Krater, unten: eine plötzlich entstehende Gaswolke aus Kohlenstoffdioxid. 1
Im August 1986 ereignete sich das sogenannte Lake Nyos-Desaster. Die meisten Geologen sehen als Ursache einen Erdrutsch im Seekrater an, der dazu führte, dass durch die herabrauschenden Erdmassen das CO2-reiche Tiefenwasser aufgewirbelt wurde und dabei plötzlich in die darüberliegenden Wasserschichten gedrückt wurde. Durch diese Wasserbewegung wurde eine Kettenreaktion ausgelöst, die letztendlich dazu führte, dass eine riesige, etwa 50 m hohe „CO2 -Welle“ (etwa 1,7 Millionen Tonnen CO2) aus dem See freigesetzt wurde, die sich in die nordwestlich und östlich unterhalb des Kraterberges liegenden Täler ausbreitete. Diese CO2-Wolke tötete 1746 Menschen und noch mehr Tiere, die sich dort aufhielten.2
Augenzeugen von der südwestlichen Bergflanke, die von der CO2-Wolke nicht betroffen war, berichten von einem Grollen, dem ein mächtiges Blubbern folgte. Die Menschen kamen aus ihren Hütten gerannt und sahen eine riesige Fontäne und eine gigantische weiße Wolke, die sich aus dem Lake Nyos erhob. Das Oberflächenwasser zeigte noch Tage danach eine auffallend bräunliche Färbung.
Weiteres
Seit der Katastrophe vom August 1986 wird der Nyos See aufmerksam beobachtet, unter anderem wird der CO2-Gehalt in verschiedenen Wassertiefen regelmäßig kontrolliert. Die unterschiedlichen Druckverhältnisse, die für die im Wasser des Lake Nyos befindlichen CO2-Mengen von entscheidender Bedeutung sind, sind in folgender Abb. 2 veranschaulicht. Die Temperatur- und pH-Wert-Differenzen können vernachlässigt werden.

Druckverhältnisse im Lake Nyos und Orte des Lösens und Ausgasen von Kohlenstoffdioxid.3
Abb. 3 stellt die Ergebnisse der Messungen des CO2-Gehalts vom November 1986, November 1993 und Januar 2001 grafisch dar. Die Grafik gibt außerdem Auskunft darüber, wieviel CO2 sich in den verschiedenen Wassertiefen maximal lösen kann („Sättigungslinie“) und welche Konzentrationen für den Sommer 1986 vor der Eruption vermutet werden.

Kohlenstoffdioxid-Konzentrationen zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Tiefen im Lake Nyos.3
Material
Weiteres
Eine zunehmend bessere Überwachung des Kohlenstoffdioxid-Gehalts sowohl im Lake Nyos als auch im Lake Monoun, einem weiteren See mit ähnlicher Problematik, ist Teil einer wissenschaftlichen Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung zwischen Japan und Kamerun. Diese Partnerschaft ist ein Beispiel dafür, wie weltweit gemeinsam an den SDGs (Sustainable Development Goals) gearbeitet wird, den 17 globalen Ziele der Vereinten Nationen, die bis 2030 von allen Ländern erreicht werden sollen, um eine gerechtere und nachhaltigere Welt zu schaffen.
Die 17 Ziele der Nachhaltigkeit der UN. 4
Schon 2001 wurde als Reaktion auf die wieder ansteigende Kohlenstoffdioxid-Konzentration einen Entgasungsanlage installiert (Abb. 4). Ziel war es, den See permanent zu entgasen. Für die Inbetriebnahme wurde Tiefenwasser mit Hilfe einer Saugpumpe (P) durch ein Rohr nach oben gesaugt (1). Während der Bewegung nach oben begann das Wasser von selbst unter Gasblasenbildung nach oben zu schießen (2). Die Pumpe wurde dann nicht mehr benötigt.
Das Prinzip der Entgasungsanlage. 5
Weiteres
Mittlerweile hat man zusätzliche, solarbetriebene Entgasungsanlagen installiert. Die Entgasung verlief und verläuft effizient (Abb. 5 und Fotos online) aber man überwacht die Werte dennoch fortlaufend. 6
Überwachungsdaten am Lake Monoun und am Lake Nyos.7








