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Ist das gut oder schlecht? Fälle ein begründetes Urteil.

Das WAAGE(R)-Modell zur Bewertung nutzen

02.03.2026
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Catalina MalienGregor von Borstel
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Die Idee dahinter

Ziele
Die Schülerinnen und Schüler lernen das WAAGE(R)-Modell kennen oder wenden es an, um naturwissenschaftlich geprägte Fragestellungen kriteriengeleitet zu beurteilen und ihre Entscheidung fachlich fundiert zu begründen.

Die Lernenden ...

  • sind zunehmend in der Lage, ein Entscheidungsproblem mithilfe des WAAGE(R)-Modells strukturiert zu bearbeiten, indem sie.
  • einen Zielkonflikt sachgerecht wahrnehmen.
  • relevante Handlungsoptionen analysieren.
  • fachlich fundierte Argumente entwickeln.
  • diese anhand transparenter Kriterien gewichten.
  • und ihre begründete Entscheidung reflektiert darlegen.
Das WAAGE(R)-Modell

Das WAAGE(R) bzw.  WAAGER-Modell1ist ein praktisches, einheitliches Unterrichtswerkzeug zur systematischen Förderung von Bewertungskompetenz in Naturwissenschaften. Es gliedert den komplexen Prozess des Urteilsfindens in sechs Schritte: 

Wahrnehmen – Analysieren – Argumentieren – Gewichten – Entscheiden – (Reflektieren).

Das Modell ist mehrfach prägnant beschrieben2 und auch mit Beispielen erläutert.34

Für uns im Fokus

Bewerten ist kein Meinungsaustausch, sondern ein strukturierter Prozess. Dieser Prozess lässt sich schrittweise erlernen.

„Eine zentrale Strategie zur Reduktion von Komplexität bzw. Zeitaufwand besteht darin, einen Bewertungsprozess nicht in allen Teilschritten zu durchlaufen, sondern stattdessen gezielt Schwerpunkte auf bestimmte Schritte und damit Teilkompetenzen zu setzen.“5

Welche Problemstellungen eignen sich?

„Die Schrittfolge des WAAGER-Modells beginnt mit dem
bewussten Wahrnehmen eines Problems in Form eines Entscheidungskonflikts mit moralischer Relevanz und normativer
Komplexität.“6

Diese Formulierung legt zunächst nahe, dass der zu behandelnde Konflikt von großer Tragweite sein sollte. Literaturbeispiele und auch unsere Erfahrungen zeigen aber, dass sich auch Bewertungsprozesse zu deutlich eingegrenzteren Fragestellungen mithilfe des WAAGER-Modells strukturieren lassen.

Was bedeutet einen Fokus setzen

Man schafft in einer Unterrichtsstunde nicht immer alles. Das muss man auch nicht. Für eine Einheit beispielsweise zu selbst erhitzenden Instant-Mahlzeiten passt besonders der kriterienbasierte Weg im Schritt „Argumentieren“, auch weil mehrere Kriterien gleichzeitig relevant sind (z. B. Materialeinsatz, Recyclingfähigkeit, Energieeffizienz, Notwendigkeit, Sicherheitsaspekte). Hierauf kann man den Schwerpunkt legen.

Gewichtung als didaktischer Hebel

Mitunter lohnt es sich, die Gewichtung explizit zu erklären, weil dort der eigentliche Kompetenzsprung liegt: Es reicht nicht aus, den „anfallenden Müll“ zu benennen, sondern man muss begründen, warum dieses Kriterium im konkreten Fall stark zählt.

Zwei Formen lassen sich unterscheiden:

  • Kompensatorisches Gewichten („trade-off“): Ein Nachteil kann durch einen Vorteil teilweise ausgeglichen werden. Typische Werkzeuge: Rangfolge, Plus/Null/Minus, Punkte (z. B. 0–5), Gewichtungsfaktoren.
  • Non-kompensatorisches Gewichten („cut-off“): Ein K.-o.-Kriterium entscheidet unabhängig von anderen Vorteilen, z. B. „Wenn der Inhalt als gefährlich eingestuft wäre, fällt das Produkt raus.“ Diese Logik ist an manchen Stellen im Chemieunterricht sinnvoll, weil Sicherheits- und Umweltgefahren manchmal tatsächlich nicht „aufrechenbar“ sind. In unserem Beispiel sollten die Lernenden überlegen, ob sie ein „Self-heating-Meal“ essen wollen, bei dem im Kochprozess die stark alkalische Erhitzerflüssigkeit verdampft und über der dem Essen kondensiert.
M1

Ein Modell als Strukturierungshilfe

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Das WAAGER-Modell kurz dargestellt.7

Wofür ist das WAAGE(R)-Modell gut?

Es hilft dir, Entscheidungen nicht nur aus dem Bauch heraus zu treffen, sondern Schritt für Schritt zu durchdenken.
Du lernst, ein Problem bewusst wahrzunehmen, verschiedene Lösungsansätze, Handlungsoptionen oder Informationen zu analysieren, Argumente aufzustellen oder Kriterien zu prüfen und unterschiedliche Interessen zu erkennen. Anschließend gewichtest du Kriterien und triffst eine begründete Entscheidung, die du auch vor anderen erklären kannst. Mitunter reflektierst du dann z. B. „Am Anfang dachte ich, … .Nun denke ich, …“.

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Das klingt viel auf einmal, oder? Wir können auch erst einmal einzelne Aspekte herausgreifen!

M2

Wie nutze ich das WAAGE(R)-Modell konkret? Hier ein Beispiel

Beispiel "Hotpots und Kühlpacks"

Stell dir vor, du musst entscheiden: Selbstheizender Einwegbecher, Instant-Essen mit einer Erhitzerschale zum wegwerfen oder auch Kühlkompresse – sinnvoll oder Quatsch?

Eine Beschriftung.8

Viele sagen sofort „viel Plastikmüll = schlecht“ oder „voll praktisch = gut“. Das ist aber erst eine Meinung. Mit WAAGEᴿ machst du daraus ein begründetes Urteil.

W wie Wahrnehmen

Formuliere zunächst, worum es geht. Schreib auch deine erste Bauchentscheidung auf („Spontan finde ich …“). Das brauchst du später für den Vergleich.

Das Essen, die Kühlkompresse oder auch das Getränk lassen sich ohne Strom erhitzen oder abkühlen. Ganz schön praktisch.

Das sind alles einmal zu verwendende Produkte mit viel Umverpackung. Man produziert viel Abfall.

A wie Analysieren

Notiere, welche Möglichkeiten es gibt, sammle verschiedene Optionen zum Beispiel:

  • man kann die Produkte nutzen
  • man kann Alternative nutzen (Thermoskanne/Kühlakku)
  • nur im Notfall benutzen
  • wäre eine erneute Nutzung bzw. Wiederverwendung möglich?

Hier gehört auch rein sich zu fragen: „Was muss ich eigentlich wissen?“ In unserem Beispiel:

Wie lange hält Wärme/Kälte? Woraus besteht das Produkt? Funktioniert es zufriedenstellend? Wie funktioniert es? Kann man es mehrfach verwenden? Ist es gefährlich? Wie viel Müll produziert man für wie viel Essen?

A wie Argumentieren

Du kannst auf zwei Arten arbeiten:

Ein gutes Argument besteht aus
(1) einer Tatsache,
(2) einem Wert oder Anspruch und
(3) einer Schlussfolgerung.

Beispiel 1 (ökologischer Aspekt): (1) Der Hotpot enthält wenig Getränk aber viel Erhitzermaterial und Einweg-Plastik und das wird nach einmaliger Nutzung weggeworfen. (2) Ressourcen sollen möglichst sparsam genutzt und ich möchte dazu beitragen, Müll zu vermeiden. (3) Deshalb ist die Nutzung eines Hotpots aus ökologischer Sicht problematisch.

Beispiel 2 (Praxistauglichkeit): (1) Ein Kühlpack kann unterwegs auch ohne Kühlschrank bei Verletzungen helfen. (2) Solche praktischen Lösungen sind wichtig, wenn ich keinen Zugang zu anderweitig Gekühltem habe. (3) In bestimmten Situationen ohne Alternativen möchte ich ein Kühlpack verwenden, weil sein Einsatz da sinnvoll sein kann.

So wird aus einer Meinung ein begründetes Argument. 

Ost ist es schneller oder übersichtlicher, Kriterien zu nutzen. Du wählst z. B. 4–6 Kriterien aus und bewertest jede Option danach. Das ist besonders sinnvoll, wenn viele Aspekte gleichzeitig wichtig sind.

Für den Einwegbecher oder die Kühlkompresse passen als ökologische Kriterien typischerweise: Materialeinsatz pro Nutzung, Trennbarkeit/Recycling, Wirkungsdauer im Verhältnis zum Material, Sicherheits-/Umweltrisiken bei Auslaufen, Alternativen.

Es könnten auch Kriterien aus anderen Bereichen in Betracht kommen wie Praktikabilität, ökonomische Faktoren wie Preis,  Coolness Faktor, …

G wie Gewichten

Nicht alles ist gleich wichtig. Du legst fest, ob dir z. B. „Müll/Trennbarkeit“ wichtiger ist als „Komfort“, Ökologie (ich greife zu nachhaltig hergestellten Produkt …) wichtiger als Preis (… auch wenn es teurer ist) oder ob der Coolnessfaktor (mir ist es wichtig, dass es ansprechend aussieht) eine geringe Praktikabilität schlägt.

Du kannst z. B. Punkte vergeben (0–5) oder Zeichen (+/- ) nutzen und alles gegeneinander aufwiegen.

Manchmal gibt es aber aus deiner Sicht auch ein K.o.-Kriterium (z. B. „Die Verwendung ist zu gefährlich“). Dieses würde dann alle anderen Kriterien schlagen.

E wie Entscheiden

Jetzt triffst du eine begründete Entscheidung: „Im Alltag ist ein Einsatz gar nicht sinnvoll, im Notfall aber vertretbar“ – oder anders. Und du verweist dabei auf deine Gewichtung („Weil Kriterium X oder Y für mich besonders wichtig ist …“)

R wie Reflektieren

Vergleiche deine Bauchmeinung mit deinem Endurteil: Hat sich etwas geändert? Reflektiere auch den Prozess: Welche Infos hätten deine Entscheidung noch besser gemacht? Welche Folgen könnte deine Entscheidung haben? Diese Reflexion ist kein „Extra“, sondern Teil guter Bewertungskompetenz. Hier ein Mini-Beispiel zum Einweg-Heizbecher und Kühlpack:

W: „ganz schön praktisch ohne Strom“ vs. „Einwegmüll“
A: Es gibt die Optionen Einwegbecher / Thermoskanne / nur Notfall. Die Produkte funktionieren prinzipiell, aber es entsteht viel Müll!
A: gewählte Kriterien: Müll; Trennbarkeit; Wirkungsdauer; Luxus oder notwendig? Alternativen; Sicherheit
G: Müllaspekt sehr wichtig, Sicherheit ein k.o. Kriterium, Notwendigkeit mittel, Alternativen hoch
E: „Im Alltag sind die Produkte nicht sinnvoll (Kochen oder Thermoskanne besser), das Essen scheidet aus, denn es ist gefährlich, es herzustellen, das Kühlpack ist Notfall eine sinnvolle Möglichkeit, wenn ich mir nicht anders zu behelfen weiß.
R: „Am Anfang fand ich’s cool – jetzt sehe ich, dass der Nutzen kurz ist, der Abfall aber bleibt.“ Ich werde …

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Ist das gut oder schlecht? Fälle ein begründetes Urteil.
Das WAAGE(R)-Modell zur Bewertung nutzen
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