SUCHERGEBNISSE: 207
Chemie
Sekundarstufe II
Reaktionsgeschwindigkeit & chemisches Gleichgewicht
Chemisches Gleichgewicht
Datum:

Modellkritik an der Analogie Mama vs. Baby

Entscheide selbst: hilfreich oder nicht?

30.03.2026
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Andreas BöhmGregor von BorstelDavid Weninger
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Die Idee dahinterPDF

Die Idee dahinter

Ziele
Die Analogie wird hier von den Lernenden kritisch geprüft und hinsichtlich ihrer Aussagekraft beurteilt.
Didaktischer Hintergrund

Unsere ursprüngliche Version der Bälleschlacht1 enthielt grundlegende Fehler. Wir haben daher 2025 die Analogie überarbeitet, korrigiert und zudem auch die Schwächen der Betrachtung für eine Modellkritik mit Schülerinnen und Schülern deutlich herausgestellt. Für die Überarbeitung war der Kommentar von Herrn Dr. Kraska2 mit seinen ausführlichen Rechenbeispielen, den Anregungen und korrekten mathematischen Modellierungen sehr hilfreich. Wir möchten uns dafür bei Herrn Dr. Kraska bedanken!

Bei der Verwendung der Begrifflichkeiten und Pfeilsymbole orientieren wir uns an der u. E. konsistenten Empfehlung der AG Terminologie und Symbolik im Chemieunterricht der Fachgruppe Chemieunterricht der GdCH3

Klare Sprache – klares Denken: Chemisches Gleichgewicht verstehen

Zustand und Prozess trennen
Ein chemisches Gleichgewicht ist ein Zustand, kein Vorgang. Präzise Formulierungen wie „… führt zu einem Gleichgewicht“ helfen, diesen Unterschied sichtbar zu machen. Demgegenüber steht die Gleichgewichtseinstellung als Prozess, der zum Zustand hinführt. Diese Trennung ist zentral für ein tragfähiges Verständnis.

Symbolik gezielt einsetzen
Die Symbolik unterstützt diese Differenzierung: Der Harpunenpfeil (⇌) kennzeichnet den Gleichgewichtszustand, während ein einfacher Reaktionspfeil (→) den Einstellungsprozess beschreibt. Der Doppelpfeil sollte ausschließlich für das Nebeneinander von Hin- und Rückreaktion verwendet werden.

Dynamik auf Teilchenebene denken
Im Gleichgewicht bleiben Konzentrationen konstant – dennoch laufen fortwährend Reaktionen ab. Entscheidend ist daher die Formulierung: Hin- und Rückreaktion erfolgen mit gleicher Rate. So wird die Dynamik auf Teilchenebene verständlich, ohne Missverständnisse auf der Stoffebene zu erzeugen.

Beeinflussung präzise beschreiben
Anstelle von „Verschiebung“ empfiehlt sich die Sprache von Störung und (Neu-)Einstellung des Gleichgewichts. Dies ermöglicht eine klare Unterscheidung der Einflüsse von Konzentration, Druck und Temperatur.

Einbettung

Mit der Analogie „Wettstreit im Kinderzimmer“ greifen wir unsere Bildergeschichten zur Visualisierung der Reaktionsgeschwindigkeit auf, lassen dieses Mal aber beide Akteure zur gleichen Zeit gegeneinander antreten.
Erfahrungsgemäß ist die Analogie für Schülerinnen und Schüler – auch additiv zum sogenannten Stechheber-Versuch – sehr hilfreich beim Verständnis der Dynamik eines chemischen Gleichgewichts.

M1

Ein Blick zurück

Mama beginnt

→ Mama beginnt.4

Baby beginnt

Alle Bälle drinnen? Das Baby legt los. 4

Weitergedacht

  1. Benennen Sie mögliche Schwachstellen der Analogie.
  2. Lesen Sie M2, vollziehen Sie die Hauptaussagen darin mit dem interaktiven Diagramm nach und und ergänzen Sie ihre Aufzählung gegebenenfalls.
  3. Beurteilen Sie, ob und – wenn ja – in welcher Form die Analogie Ihnen trotz der berechtigten Modellkritik zu einem weiteren Verständnis dynamischer Gleichgewichte verholfen hat.
M2

Einiges ist ungenau - anderes stimmt.

Weiteres

Wir nehmen viele Vereinfachungen an. Mama und Baby werden z. B. nie müde! Aber wir wollen so tun, als ob. Der Raum ist bestimmt nicht nur 1 m³ groß. Aber das ändert am Prinzip nichts, sondern erleichtert uns nur das Rechnen.

Die wichtigste Vereinfachung ist vielleicht, dass wir im Modell in genau abgepassten Zeitintervallen vorgehen, denn wir wollen ja nur ganze Bälle werfen lassen. Dabei tun wir so, als ob es in dem dafür von uns gewählten Zeitintervall keine Rolle spielt, dass sich ja auch innerhalb des Intervalls in einem realen Versuch mit einer riesigen Anzahl an Teilchen eigentlich die Konzentrationen ändern.

Für realistischere Kurven müssten in einer Annäherung die Zeitintervalle extrem klein wählen und dabei in unserem Fall in Kauf nehmen, dass Bruchteile von Bällen geworfen werden.

Unsere stufenweise Annäherung hat zur Konsequenz, dass die Konzentrationen zu den meisten Zeitpunkten vor Einstellung des Gleichgewichts für Mama zu groß sind.

Unsere Analogie ist allerdings dahingehend korrekt, dass es sich zeigen lässt, dass sich auch ohne die Vereinfachungen ein dynamisches Gleichgewicht rechnerisch bei 8 zu 16 Bällen einstellt.

Weiteres

Weitergedacht

  1. M3 liefert ein mathematisches Fazit. Erklären Sie es in eigenen Worten.
M3

Fazit

Weiteres

Im chemischen Gleichgewicht sind die Reaktionsraten von Hin- und Rückreaktion gleich groß. Das System befindet sich in einem dynamischen Gleichgewicht, bei dem ständig gleich viele Teilchen in beide Richtungen reagieren.

Makroskopisch beobachtet ist damit die Nettoänderung der Konzentrationen null. Folglich ist auch die Reaktionsgeschwindigkeit aller am Gleichgewicht beteiligten Stoffe auf Null gesunken.

Aus den Geschwindigkeitskonstanten der Hinreaktion und Rückreaktion folgt die Größe der Konzentrationen der Stoffe im Gleichgewicht, in unserem Beispiel wäre das:

Weiteres
Im Gleichgewicht gilt für die Reaktionsrate
und somit:
umgeformt:

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Modellkritik an der Analogie Mama vs. Baby
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