Gedanken zu einem Plan für einen Unterrichtsbesuch
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- Eine schriftliche Planung im Rahmen eines Unterrichtsbesuchs ist keine Prüfungsleistung. Sie ist in erster Linie ein Arbeits- und Denkwerkzeug für Sie selbst. Sie planen für sich. Schreiben Sie Ihre Planung so auf, wie sie Ihnen hilft, den Unterricht fachlich, didaktisch und methodisch durchdacht vorzubereiten. Notieren Sie, was Sie für wichtig erachten.
- Darüber hinaus kann eine Planung erhellende Informationen für Beobachtende (Ausbildungslehrkräfte, Fachleitungen) bereithalten. Sie macht Ihre Überlegungen, Entscheidungen und Schwerpunktsetzungen transparent und anschlussfähig für das Nachgespräch.
- Im Vorbereitungsdienst entwickeln sich Planungen schrittweise weiter. Was zu Beginn ausreichend und sinnvoll ist, unterscheidet sich möglicherweise von dem, was später erwartbar wird. Dieser Leitfaden soll Ihnen helfen, von Anfang an tragfähig zu planen.
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Es sind viele Darstellungsformen denkbar! Hier und auf den folgenden Seiten ich einmal die klassischen Formen beispielhaft beschrieben. Vielleicht möchten Sie aber auch in einer Concept Map arbeiten oder haben eine ganz andere Idee? Das steht ihnen frei! Sie können zudem auch Kombinationen wählen.
Für mich und viele andere ist es hilfreich, wenn ein phasenbezogener tabellarischer Verlaufsplan immer Teil der Notation ist.
Formen der Notation
Beispiele zur Form der Darstellung
Die Form der Ausführungen zu ihren Planungen bestimmen Sie. Mögliche Beispiele wären ein Diagramm, ein phasenbezogener tabellarischer Verlaufsplan oder später auch ein zunehmend erläuternder Fließtext.
Beispielhafte Formen der Notation
Wichtiges zur Form der Darstellung
Entscheidend ist nicht die Darstellungsform, sondern dass erkennbar wird:
- dass die Stunde keine zufällige Abfolge von Inhalten und Aktivitäten ist, sondern eine innere Logik besitzt, bei der Thema, Lernziele, Aufgaben und Methoden stimmig ineinandergreifen
- wie die Lernenden den Lernprozess als eine Abfolge von Erkenntnisschritten durchlaufen – vergleichbar mit einer Treppe, bei der jeder Schritt einfach und logisch auf dem vorherigen aufbaut
- an welchen konkreten Lernprodukten oder Ergebnissen der Lernfortschritt für Beobachter sichtbar und beurteilbar wird.
Inhalte des Notation
Benennen versus erläutern
Eine anfängliche Planung beschreibt vielleicht nur den Stundenverlauf.
Im Zuge der Professionalisierung sollte es zunehmend gelingen, das Zustandekommen der Entscheidungen basierend auf ihren beabsichtigten Wirkungen zu erläutern.
Die Basis
Folgendes sollte auf jeden Fall abgebildet oder benannt sein:
Benennen Sie klar das Thema und das angestrebten Hauptlernzieles bzw. der Kompetenzerwartungen.
Formulieren Sie knapp und präzise, was die Schülerinnen und Schüler am Ende der Stunde z. B. wissen, verstehen, können oder reflektieren sollen. Hilfreiche Leitfragen:
- Was ist der zentrale Erkenntnisgewinn dieser Stunde?
- Was sollen die Lernenden am Ende der Stunde mehr oder anders können als zu Beginn?
- Woran wäre für Sie erkennbar, dass Lernen stattgefunden hat?
Sollten Sie keinen Fließtext schreiben, fügen Sie diesen Aspekt dem Titelblatt oder ihrer visualisierenden Darstellung hinzu.
Benennen Sie das Thema und begründen Sie zunehmend es gewählt wird, warum dieser Schwerpunkt gesetzt wird oder warum Sie diese diese Reihenfolge wählen.
Bezüge können u. a. erfolgen zum Kernlehrplan, zu schulischen Vereinbarungen, zur Sinnhaftigkeit aus Sicht der Lernenden (z. B. Progression, Anschlussfähigkeit, Lebensweltbezug).
Wenn Sie die Phasierung nicht nur benennen sondern auch erläutern möchten, kann es hilfreich sein, die Stunde aus der Perspektive der Lernenden zu denken: Welche Erkenntnisschritte müssen die Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zum Lernziel durchlaufen?
Stellen Sie sich den Lernprozess als eine Treppe vor, bei der jeder Schritt auf dem vorherigen aufbaut. Basierend darauf legen sie die Phasen des Unterrichts und deren Inhalte und Intentionen fest.
Beispielhafte Leitfragen:
- Was sollen die Lernenden schrittweise erkennen, verstehen oder begründen?
- Wie erkennen die Schülerinnen und Schüler, was gelernt werden soll? Wie wird Ziel- und Prozesstransparenz hergestellt?
- Wie wird eine Anwendung des Gelernten auf neue Situationen angebahnt?
- Wie sehen folglich Erarbeitung des Lernproduktes, Hinführung, Diskussion, Sicherung oder Vernetzung aus?
Eine stichpunktartige Skizze dieser Erkenntnisschritte kann helfen,
- den Lernprozess schlüssig zu strukturieren,
- Überforderungen zu vermeiden,
- und den Unterricht im Nachgespräch nachvollziehbar zu erläutern.
Notieren Sie stichpunktartig, welche Ergebnisse, Denkwege oder typische Schüleräußerungen Sie erwarten. Dies dient:
- ihrer eigenen Orientierung,
- der Vorbereitung von Unterrichtsgesprächen vor allem in Gelenkstellen oder der Diskussion der Lernprodukte,
- der Reflexion im Nachgespräch hinsichtlich der Qualität des Erreichten.
Ergänzend kann es sinnvoll, typische Schwierigkeiten oder Fehlvorstellungen zu antizipieren.
Listen Sie am Ende der Notation alle in der Stunde verwendeten Materialien auf, z.B. Arbeitsblätter, Präsentationen , Experimentieranleitungen, Abbildungen von Modellen etc.
Wo sinnvoll können Sie Musterlösungen beilegen.
Auf die Funktionalität einzelner Materialien oder Aufgaben kann in der Notation exemplarisch vertiefend eingegangen werden.
Zunehmend denkbar
Später wären tiefergehende Ausführungen möglich:
Zunehmend wichtig wird die Berücksichtigung der konkreten Lerngruppe, z. B.:
- Lernausgangslage
- vorhandene Kompetenzen
- typische Schwierigkeiten oder Unterstützungsbedarfe
Daraus können sich Anpassungen ergeben, etwa im Hinblick auf Niveau, Tempo oder binnendifferenzierende Maßnahmen.
Wie ist die Stunde in einer Unterrichtsreihe verortet ist, welchen didaktischen Schwerpunkt hat die Reihe und welchen nimmt die Stunde darin ein? Wie ist der Anschluss nach vorne und hinten?
Die fachliche und didaktische Reflexion ist von enormer Wichtigkeit!
Hierzu gehören
- fachliche Klärungen (Sachanalyse): was gibt der Gegenstand her?
- didaktische Schwerpunktsetzungen: Was genau soll heute warum und in welcher Schrittigkeit in den Fokus rücken? Wichtig ist die Perspektive der Lernenden.
Erst basierend darauf lassen sich methodische Entscheidungen treffen.
Bevorzugen sie begründet ein Lehr-Lernmodel beispielsweise nach Oser für diese Stunde? Wenn ja, welche Auswirkungen hat dies bezüglich der Strukturierung, Phasierung, der Moderation der Gelenkstellen oder der Materialien in den einzelnen Phasen?
Dieser Aspekt kann exemplarisch auftauchen, wenn es sinnvolle alternative Herangehensweisen gäbe, andere Methoden oder Materialien, andere Arbeitsformen oder Schwerpunktsetzungen möglich oder in der Fachdidaktik benannt wurden. Wenn Sie diesen Aspekt aufführen, begründen Sie, warum Sie sich hier abgrenzen und zu Ihrer Entscheidung gekommen sind.
Sie können Ihre Planung mit einer kurzen Reflexion abschließen: Woran würden Sie erkennen, dass die Stunde gelungen war?
Beispielhafte Formulierung:
„Die Stunde kann als gelungen betrachtet werden, wenn die Schülerinnen und Schüler … .
Es ist zu erwarten, dass einige Lernende Schwierigkeiten mit … haben. Dem begegne ich ….“
Interdependenzen sichtbar machen
Prüfen Sie, ob Beobachtende in ihren Darstellungen erkennen können, dass die Stunde nicht zufällig, sondern bewusst gedacht ist.
Am Anfang jeder Planung steht das Thema der Stunde.
Es ist mehr als ein Titel – es beschreibt, worum es fachlich geht.
Die Lernziele ergeben sich aus diesem Thema. Sie benennen, was die Schülerinnen und Schüler am Ende der Stunde wissen, verstehen oder können sollen. Wichtig ist dabei die innere Logik: Nicht jedes Thema passt oder führt zu jedem Lernziel.
Eine stimmige Planung macht deutlich, warum genau dieses Thema gewählt wurde und warum es zu genau diesen Lernzielen führt. Für Beobachtende wird so nachvollziehbar, welches Lernanliegen die Stunde trägt.
Lernziele entstehen nicht von selbst. Sie werden über einen Lernprozess erreicht.
In einer Planung sollte daher erkennbar sein, wie Lernende schrittweise zu den angestrebten Zielen gelangen sollen. Dieser Lernprozess lässt sich als Abfolge von Erkenntnisschritten aus Sicht der Lernenden denken und darstellen– wie eine Treppe, bei der jeder Schritt auf dem vorherigen aufbaut.
Eine gute Planung zeigt nicht nur das Ziel, sondern auch den Weg dorthin:
- Was erkennen die Lernenden zuerst?
- Was baut darauf auf?
- An welcher Stelle wird etwas z. B. erkannt, diskutiert, gesichert, reflektiert oder angewendet?
Aufgaben sind der zentrale Motor des Lernprozesses.
Sie sind nicht dazu da, Zeit zu füllen oder Beschäftigung zu sichern, sondern gezielte Denk- und Erkenntnisschritte auszulösen.
In einer stimmigen Planung ist erkennbar, welche Aufgabe welchen Erkenntnisschritt unterstützt. Aufgaben sind dabei funktional gedacht: Sie helfen den Lernenden, etwas Bestimmtes zu erkennen, zu vergleichen, zu erklären oder zu begründen.
Beobachtende erkennen an dieser Stelle, ob Aufgaben bewusst ausgewählt wurden oder austauschbar sind.
Methoden sind kein Selbstzweck. Sie stehen immer im Dienst dessen, was Lernende tun und denken sollen.
In einer Planung für die ersten Unterrichtsbesuche reicht es vollkommen aus, wenn deutlich wird, dass die gewählte Methode zur Aufgabe passt. Ob Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit oder Unterrichtsgespräch: Entscheidend ist, dass die Methode das Denken der Lernenden unterstützt und nicht behindert.
Eine gute Planung zeigt, dass Methoden bewusst gewählt wurden – nicht, weil sie gerade „dran“ sind, sondern weil sie sinnvoll zum Lernprozess passen.
Materialien sind – ähnlich wie Methoden – Werkzeuge. Sie beinhalten, strukturieren, vereinfachen oder fokussieren den Lerngegenstand.
In einer stimmigen Planung wird deutlich, warum genau diese Materialien eingesetzt werden. Sie helfen den Lernenden, bestimmte Aspekte sichtbar zu machen, Zusammenhänge zu erkennen oder Denkprozesse zu unterstützen. Nicht die Menge der Materialien ist entscheidend, sondern ihre Funktion im Lernprozess.
Lernziele bleiben abstrakt, wenn nicht klar ist, woran sie sichtbar werden.
Eine gute Planung macht deutlich, welche Ergebnisse, Produkte oder Äußerungen zeigen, dass Lernende etwas verstanden haben. Das kann ein Tafelbild, ein Arbeitsblatt, eine Begründung im Gespräch oder eine Anwendung in einer neuen Situation sein.
Für Beobachtende wird so nachvollziehbar, wie Lernfortschritt erkannt und eingeordnet werden kann.
Unterricht findet nie abstrakt statt, sondern immer mit einer konkreten Lerngruppe.
Auch in frühen Unterrichtsbesuch kann erkennbar sein, dass die Lernziele, Aufgaben und Anforderungen für diese Lerngruppe realistisch gewählt sind. Es geht nicht um vollständige Lerngruppenanalysen, sondern um die Fragen:
- Ist das Anspruchsniveau plausibel?
Sind Über- oder Unterforderungen bedacht?
Lernen verläuft selten geradlinig. Eine professionelle Planung berücksichtigt, dass es Stolperstellen, Missverständnisse oder Unsicherheiten geben kann.
In einer Planung für die ersten Unterrichtsbesuche genügt es, diese Stellen kurz zu benennen und zu zeigen, dass Unterstützungsmaßnahmen mitgedacht sind. Das signalisiert Strategien und Reflexionsfähigkeit.
Beispielhafte Umsetzung von Notation und eigener Kontrolle
Wie könnte das aussehen?
Wir haben einmal beispielhaft für diese Stunde zwei Möglichkeiten der Notation durchgespielt.
Hier unsere beispielhaften Vorschläge für eine einfache Notation als
- phasenbasierte Synopse
- Schaubild/Diagramm (textlastig)
Kann ich die Güte meiner Ausführungen prüfen?
Natürlich geht das. Und Sie sollten dies auch tun!
Sie können das alleine oder – unsere Empfehlung – im Gespräch mit Fachkolleg:innen. Vielleicht helfen die oben dargestellten Interdependenzen als Prüfkriterien?
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Auch das wird irgendwie funktionieren. Wir haben dies divers getestet. Einige Modelle liefern gute Impulse in Textform, wenn man sie mit seinen Planungen und den Prüfkriterien füttert. Wichtigste Regel hier wie immer: Prüfen Sie alles, was KI Ihnen übermittelt, noch einmal selbst. Nutzen Sie die Rückmeldungen allenfalls als das, was sie ggf. sind: Denkanstöße!
Für ein drittes „Text-Beispiel“ haben wir „eine KI-Prüfung im Audioformat“ ausprobiert. Wer mag, kann die Qualität selbst beurteilen.

Prüfung der Beispielnotation (erläuternder Text) in Form einer Audiobeschreibung mit dem expliziten Hinweis, kritisch zu agieren1

