Chemie
Sekundarstufe I
Elemente & ihre Ordnung
Das Periodensystem der Elemente
Datum:

Das Periodensystem der Elemente

Ein Meilenstein der Chemiegeschichte: Erste Schritte zur Ordnung

21.12.2025
2101
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Gregor von BorstelAndreas Böhm
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Die Idee dahinterPDF

Die Idee dahinter

Ziele
Die Lernenden vollziehen die Einordnung anhand von ähnlichen Formeln der Stoffteilchen ausgewählter Mehrelementstoffe analog zum Vorgehen von Dimitri Mendelejew nach.

Die Lernenden ...

  • Prinzipien zur Strukturierung und zur Verallgemeinerung chemischer Sachverhalte entwickeln und anwenden.
  • anhand historischer Beispiele die Vorläufigkeit chemischer Regeln, Gesetze und theoretischer Modelle beschreiben.
  • in Texten, Tabellen oder grafischen Darstellungen mit chemischen Inhalten die relevanten Informationen identifizieren und sachgerecht interpretieren.
Beschreibung

Die Unterrichtseinheit setzt die Entstehungsidee des Periodensystems als rekonstruierbaren Erkenntnisweg in Szene: Ausgehend vom historischen Rückblick (Lavoisier, Proust, Dalton; Berzelius’ Symbolik und Atommassen) wird im Unterrichtsgespräch eine problemorientierte Fragehaltung aufgebaut: Wie hat man das wachsende „Sammelsurium“ an Elementen sinnvoll geordnet?

Klar sollte hervorgehoben werden, dass es historisch zunächst eher ein entdeckendes oder beschreibendes Einordnen nach bzw. in Kenntnis der Verhältnisformeln war, keineswegs aber erklärt werden konnte, warum Elemente ähnlich reagieren.

Die Lernenden arbeiten dies entdeckend nach und mit Elementkarten, ordnen zunächst diese linear nach Atommasse und suchen dann systematisch nach Ähnlichkeiten in Verhältnisformeln/Eigenschaften. So entstehen Gruppen oder Familien, eine Periodizität wird sichtbar, Lücken werden produktiv markiert (Gallium und Germanium), und die Tellur‑Iod‑Stelle wird als Hinweis auf ein übergeordnetes Ordnungskriterium diskutiert.

In Kurzpräsentationen – gerne auch mit Magnet-Applikationen -verhandeln die Gruppen ihre Ordnungen, fügen (historisch folgerichtig) die Edelgase nach, knüpfen an Mendelejews Vorgehen an und validieren exemplarisch über die Vorhersagen zu Ga/Ge. Die Sicherung klärt die Begriffe „Gruppe“, „Periode“, die Verteilung von Metallen / Halbmetallen / Nichtmetallen und akzentuiert: Atommasse ist nicht das Hauptordnungskriterium. Inhaltlich wird hier der Übergang zum Atombau (Schalen/Valenz) vorbereitet.

Didaktisch ist die Stunde im Sinne des Lehr‑Lern‑Modells nach Leisen angelegt: Durch konsequenten „Wechsel der Darstellungsformen“ (Kartenarbeit, Tafelbild, kurze Lesetexte, Visualisierungen) und „kalkulierte sprachliche und fachliche Herausforderung“ arbeiten die Lernenden in einem Sprachbad. „Methoden‑Werkzeuge“ wie Wortliste/Wortgeländer (z. B. Gruppe, Periode, Verhältnisformel, Atommasse), Satz‑ und Fragemuster für Begründungen („Wir ordnen nach …, weil …“) sowie gestufte Lernhilfen oder ein Galeriegang können Verständnis und Ausdrucksfähigkeit schulen. Sprachliche Standardsituationen (beschreiben/verbalisieren, präsentieren, erklären/argumentieren, Fachtext rezipieren) sind eingebettet. Tiefenstrukturell lässt sich die Stunde mit Osers Basismodellen als Abfolge von entdeckendem Lernen hin zu Begriffs‑ und Konzeptbildung beschreiben:

Kurz: Die Lernenden systematisieren wie Mendelejew selbst, entwickeln dabei sprachlich tragfähige Begriffe und Konzepte und erleben die Leistungsfähigkeit des Ordnungssystems als Brücke zum Atombau.

Einbettung

Die Stunde ist einleitender Teil im roten Faden der Modellierungen zum Atombau:

a) Wo kommen wir her? (Dalton, erste Elemente, Atome als Kugeln)
In diesem Auftakt wird die historische Ausgangslage noch einmal bewusst gemacht: Im 19. Jahrhundert entsteht aus den Gesetzen der Massenerhaltung (Lavoisier) und der konstanten Proportionen (Proust) ein tragfähiges Teilchenbild, das Dalton als Kugelmodell formuliert. Schülerinnen und Schüler erkennen: Man kann Stoffzusammensetzung, Massebilanzen und Verhältnisformeln benennen – ohne bereits ein konkretes Modell des Atombaus zu besitzen.
Das Material führt genau durch diese Logik (M1 Rückblick) und verknüpft Dalton mit Berzelius’ Symbolik und Atommassenbestimmungen. Ziel ist, das „Warum“ von Ordnungssystemen aufzuspannen und Dalton als begrenztes, aber leistungsfähiges Erklärungsangebot zu rahmen.

b) Wo gehen wir hin? (Periodensystem als Ordnungssystem; Atombau)
Die Lernenden visualisieren das PSE als Ordnungsmöglichkeit aller Elemente, begründet durch eine innere Struktur. Das Material (M1 „Ein Ordnungssystem entsteht“) und der Lesetipp leiten zur Periodizität über; zugleich wird transparent, dass erst spätere Entdeckungen (Elektronen, Kern, Schalen) die tatsächliche Begründung der Ordnung liefern. Wenn es gelingt, den Spannungsbogen zu halten, kann eine Erwartungshaltung entstehen.

Diese kurze Einheit zwischen a) und b): Entdeckungsgeschichte einzelner Elemente, erste Ordnungsschritte (Mendelejew, Puzzle)
Die Geschichte wird als erkenntnistheoretischer Prozess erfahrbar: Es geht um Mustererkennung, Hypothesen, „Mut zur Lücken“. M2–M4 führen operativ an Mendelejews Vorgehen heran: Karten legen, nach Atommasse und ähnlichen Verhältnisformeln sortieren, Lücken benennen,  Validierung durch Ga (1875) und Ge (1886), Edelgase später einordnen.

In der „Detektivarbeit am Periodensystem“ wird durchgängig eine Fragehaltung gefördert: von Gesetzen und Daten (M1) über eigenständige Systematisierung (M2/M3) hin zur späteren Begründungsebene (Valenz/Atombau).

Parallel sollte eine große Übersicht (Wandplakat/digital) mitwachsen. So wird sichtbar: Die Ordnung der Elemente ist durch innere Strukturen begründet, die historisch und methodisch Schritt für Schritt erschlossen werden.

Folgerichtig führt dies zum Schalenmodell (oder Kugelwolkenmodell) mit Valenzelektronen und danach zu den Bindungstypen.

M1

Einwicklung der Vorstellungen

Hilfe bei Fachtexten

Du verstehst einen Fachtext nicht vollständig? 

Ich kann ihn in einfacher Sprache ausgeben1

Rückblick

Erinnerst Du dich? Um die Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert hatte man erste konkrete Vorstellungen von Atomen entwickelt, die Zusammensetzung von Stoffen beschreiben und das Gesetz von der Erhaltung der Masse erklären können.

Rückblick: von der Wort- zur Formelgleichung2

Auf der Suche nach Zusammenhängen

Chemiebücher der damaligen Zeit wurden ständig überarbeitet, da man immer mehr und genauer Stoffe, deren Eigenschaften und Zusammensetzungen untersuchte. Dabei erkannte man auch, dass es Gruppen von Elementen gab, die sich in Reaktionen ähnlich verhielten.

Ausschnitt aus einem Buch des Schweden Berzelius von 1825, übersetzt von F. Wöhler, einem ebenso berühmten Chemiker und Schüler von Berzelius.5

Ein Ordnungssystem entsteht

Bereits 1864 erkannte Lothar Meyer bei den Eigenschaften von Elementen in gewissen Abständen Regelmäßigkeiten, wenn er sie nach dem Atomgewicht ordnete. 1869 gelang dann Dmitri Mendelejew ein Durchbruch. In seiner Arbeit „Versuch eines Systems der Elemente, begründet auf deren Atomgewichten“ findet sich zum ersten Mal der Ausdruck „das Periodensystem der Elemente.“6

Begründer des „PSE“ und eine Tabelle von Mendelejew.7

Wir wollen das nachstellen

Mendelejew ordnete die Elemente sowohl nach Atomgewichten als auch im Bezug auf ihre Eigenschaften. Dazu fertigte er Karten für alle damals bekannten 63 Elemente mit chemischen Symbolen und Atomgewichten an und begann, eine Art „chemische Patience“ zu legen.8

Lass uns dies auch einmal machen. Und zwar analog, genau wie Mendelejew!

M2

Auf Mendelejews Spuren

Informationen auf einer Karte

Unser Kartenset besteht nur aus 27 Karten. Darauf sind Informationen zu 27 Elementen notiert. Sie sind so ausgewählt, dass wir verstehen, wie Mendelejew vorging und was er herausfand.

Beispielkarte mit Legende.9

Was denkst Du? Wonach können wir die Elemente mit den Informationen auf unseren Karten sortieren, wenn wir ähnlich vorgehen wollen wie Mendelejew?

Einige ausgewählte Karten.10

Wir beginnen gemeinsam

Ordne alle Elementkarten nach zunehmender Atommasse in einer langen Reihe.

Der Beginn einer Sortierung.10

Ziehe die Karte für Lithium ein Stückchen aus der Reihe heraus. Überprüfe, ob es in der langen Reihe Elemente gibt, die Mehrelementstoffe mit anderen Elementen im gleichen Verhältnis wie Lithiums bilden.

Mache das Gleiche für Beryllium, Bor, Kohlenstoff etc. Was fällt dir auf?

Die Bedeutung von Periodizität.11

Sortieraufgabe

  1. Ordne die Elementkarten so, dass sie sowohl nach zunehmender Atommasse als auch nach ähnlichen Verhältnisformeln der Verbindungen sortiert sind.
M3

Zwischensicherung

Aufgaben zur Sicherung

  1. Benenne die Ordnungskriterien, nach denen die Elemente im Periodensystem angeordnet sind.
  2. Erkläre die Bedeutung des zusammengesetzten Worts „Periodensystem“.
  3. Beschreibe die „interessante“ Stelle in M3 und erkläre, inwiefern sie zeigt, dass es ein „Hauptordnungskriterium“ gibt.
  4. Stellen wir uns vor, in den Lücken in M3 fehlen noch Elemente, die man noch nicht entdeckt hatte. Nennen wir sie X und Y. Stelle eine begründete Vermutung auf, was die Forscher bezüglich Metall/Halbmetall, der Formeln oder der Atommassen herausfanden.

Vernetzen

  1. Prüfe deine Vermutungen aus A5 mit Hilfe von M4.
  2. Suche eine triftige Begründung dafür, dass man die sogenannten Edelgase historisch erst spät entdeckte. Ordne die zusätzlichen „Elementkärtchen der Edelgase“ aus M4, Edelgase fügen sich ein sinnvoll in das unvollständige Periodensystem ein. 
  3. Erkläre inwiefern die Entdeckung und Einordnung jedes weiteren Elements stets eine Bestätigung für das Ordnungssystem waren und formuliere offene Fragen.
  4. Stelle heraus, was das Außergewöhnliche an der Benennung des Elements mit der Abkürzung „Md“ aus M4, Eine besondere Ehrung war.
M4

Material

Mendelejews Vorhersagen

Als Mendelejew 1869 sein „Periodensystem der Elemente“ erstmals der Öffentlichkeit vorstellte, waren 63 Elemente bekannt. Auch sein Periodensystem zeigte Lücken. Mendelejew sagte vorher, dass eines Tages hier passende neue Elemente gefunden würden und er benannte Eigenschaften basierend auf den Eigenschaften benachbarter Elemente.

Die Fachwelt war skeptisch gegenüber Mendelejews Behauptungen und Prophezeiungen. Aber 1875 entdeckte der französische Chemiker Lecoq tatsächlich ein passendes neues Element, das er Gallium (Ga) nannte. 1886 entdeckte der Deutsche Winkler dann ein weiteres passendes, und gab ihm den Namen Germanium (Ge).

Voraussagen und Entdeckungen.13

Gallium und Germanium

Die chemischen Eigenschaften und die Atommasse des Elements Gallium stimmten sehr genau mit Mendelejews Vorhersagen für die Position unter Aluminium überein, die noch frei war. Die einzige Ausnahme stellte die von Lecoq bestimmte Dichte von 4,7 g/cm3 dar. Mendelejew hatte 5,9 g/cm3 vorhergesagt.
Mendelejew reagierte auf diesen Widerspruch zu seinen Vorhersagen recht arrogant. Er teilte dem Franzosen in einem Brief mit, dieser habe bei der Bestimmung der Dichte offensichtlich nicht sauber gearbeitet und solle das Experiment mit neuem Material wiederholen. Die erneute Dichtebestimmung mit einer sorgfältig gereinigten Materialprobe lieferte dann tatsächlich die von Mendelejew vorhergesagten Werte.

Inwiefern Mendelejews Vorhersagen zum Germanium passten, kannst Du selbst überprüfen:

Daten zum Germanium14

Weitere Vorhersagen

Mendelejews Voraussagen im Abgleich14

Die Edelgase fügen sich ein

Die sogenannten Edelgase wurden erst ab 1894 kurz hintereinander entdeckt, als Forscher wie William Ramsay und John Rayleigh in der Luft bisher unbekannte, sehr reaktionsträge Gase wie Argon, Neon, Krypton und Xenon nachwiesen. Auch wenn diese Elemente kaum mit anderen Stoffen reagieren, lassen sie sich doch in das Periodensystem einordnen.

Die sogenannten Edelgase fügen sich ein.15

Eine besondere Ehrung

Hier eine zunehmend vollständigere Darstellung des Periodensystems der Elemente. Sie beinhaltet auch zwei nicht selbstverständliche Ehrungen.

Das PSE und eine besondere Ehrung.16

Wie es zu den Ähnlichkeiten der Elemente einer „Gruppe“ kommt und warum sich heutzutage evtl. noch zu entdeckende Elemente nicht an beliebiger Stelle einreihen können, werden wir bald erklären können.

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