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LEBENSNAHER CHEMIEUNTERRICHT

SUCHERGEBNISSE: 255
Chemie
Sekundarstufe I
Elemente & ihre Ordnung
Historische Entwicklung des PSE
Datum:

Das Periodensystem der Elemente füllt sich

Lücken werden zur Bewährungsprobe

24.05.2026
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Andreas BöhmGregor von Borstel
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Die Idee dahinter

Ziele
Die Lernenden erläutern am Beispiel des Blocks „Das Periodensystem der Elemente füllt sich“, dass sich die Struktur des Periodensystems durch das Ergänzen weiterer Elemente zunehmend bestätigt und sich daraus die Frage nach einer tieferliegenden Ursache der periodischen Wiederholungen ergibt.

Die Lernenden ...

  • ergänzen weitere Elemente in eine bestehende Ordnung und begründen deren Position anhand bekannter Eigenschaften.
  • vergleichen neu eingefügte Elemente mit bereits eingeordneten Elementen und identifizieren wiederkehrende Muster.
  • beschreiben, dass die Struktur des Periodensystems auch beim Hinzufügen weiterer Elemente erhalten bleibt.
  • formulieren Vermutungen darüber, warum sich Eigenschaften der Elemente periodisch wiederholen oder erkennen an, dass sich dies aus den damals bekannten Atommodellen nicht erschließen ließ.
Beschreibung

Fachlicher Fokus des Blocks „Das Periodensystem der Elemente füllt sich“

Der dritte Block führt die im zweiten Block entstandene Ordnung konsequent weiter. Nachdem die Lernenden im Block „Das Periodensystem der Elemente entsteht“ erkannt haben, dass sich beim Vergleichen und Sortieren der Elemente wiederkehrende Muster ergeben, wird diese Struktur nun erweitert, überprüft und zunehmend stabilisiert.

Im Mittelpunkt steht dabei die Erkenntnis:
Die Ordnung funktioniert nicht nur für wenige Beispiele, sondern bleibt auch beim Ergänzen weiterer Elemente tragfähig.

Dadurch verändert sich zugleich die Qualität der Fragestellung. Während zuvor vor allem die Strukturierung selbst im Vordergrund stand, entsteht nun zunehmend die Frage:
Warum wiederholen sich Eigenschaften überhaupt in dieser Regelmäßigkeit?

Der Block bereitet damit gedanklich den späteren Übergang zum Atombau und zur Elektronenkonfiguration vor, ohne diese Inhalte bereits systematisch zu erklären.

Die gedankliche Schrittigkeit des Blocks
Die Lernenden benötigen nun eine Stabilisierung der entstehenden Ordnung

Nachdem die Lernenden im zweiten Block erste Gruppen und Wiederholungen erkannt haben, brauchen sie nun die Erfahrung, dass diese Ordnung nicht zufällig oder nur für wenige Elemente passend ist.

Genau deshalb werden weitere Elemente ergänzt und in die bestehende Struktur eingeordnet.

Die Lernenden sollen erleben:

  • Die bereits entstandene Ordnung bleibt weiterhin sinnvoll.
  • Neue Elemente lassen sich anhand ihrer Eigenschaften passenden Gruppen zuordnen.
  • Ähnliche Eigenschaften tauchen erneut auf.
  • Die Struktur „trägt“ auch bei wachsender Anzahl von Elementen.

Die Materialien und Aufgaben zwingen die Lernenden deshalb erneut zum Vergleichen, Zuordnen und Begründen. Anders als im zweiten Block steht nun jedoch weniger das erstmalige Entdecken von Mustern im Vordergrund, sondern deren Bestätigung und Erweiterung.

Die Funktion der Aufgabenstellungen

Die Aufgaben des Blocks „Das Periodensystem der Elemente füllt sich“ sind so angelegt, dass die Lernenden zunehmend mit der inneren Stabilität der Ordnung konfrontiert werden.

Die Lernenden sollen nicht bloß Elemente ergänzen, sondern ihre Entscheidungen fachlich begründen:

  • Warum passt ein Element an eine bestimmte Stelle?
  • Welche Eigenschaften sprechen dafür?
  • Welche Gemeinsamkeiten verbinden Elemente einer Gruppe?

Dadurch verschiebt sich die Denkbewegung:
von der bloßen Mustererkennung hin zur bewussten Nutzung der Struktur des Periodensystems.

Die Lernenden beginnen, das PSE als Arbeits- und Vorhersageinstrument zu nutzen.

Der Übergang zur tieferliegenden Erklärung

Ein zentraler gedanklicher Schritt dieses Blocks besteht darin, dass die Lernenden zunehmend wahrnehmen: Die Regelmäßigkeit wirkt „zu geordnet“, um zufällig zu sein.

Genau daraus entsteht die fachlich entscheidende Anschlussfrage: Warum wiederholen sich Eigenschaften der Elemente überhaupt periodisch?

Wichtig ist: Diese Frage soll hier bewusst erst entstehen — kann aber noch nicht vollständig beantwortet werden. 

Der Block erfüllt damit eine vorbereitende Funktion:
Die Lernenden erleben zunächst die Periodizität als stabiles Phänomen, bevor später über Atombau und Elektronenkonfiguration deren Ursache erklärt wird.

Dadurch entsteht die atomare Erklärung nicht künstlich „von oben“, sondern als Antwort auf eine bereits verstandene Struktur.

Das intendierte Lernprodukt

Das optimale Lernprodukt besteht nicht nur aus einer erweiterten oder ergänzten Ordnung der Elemente, sondern vor allem aus der fachlichen Erklärung, warum diese Ordnung weiterhin funktioniert.

Die Lernenden sollten am Ende mündlich erläutern können:

  • dass neue Elemente anhand ihrer Eigenschaften sinnvoll eingeordnet werden können,
  • dass sich Eigenschaften weiterhin wiederholen,
    dass dadurch die Struktur des Periodensystems bestätigt wird,
  • und dass hinter diesen Wiederholungen vermutlich eine tiefere Ursache liegen muss.

Ein besonders gelungenes Lernprodukt zeigt sich darin, dass Lernende sinngemäß formulieren können:

„Auch wenn weitere Elemente ergänzt werden, bleiben ähnliche Eigenschaften in bestimmten Gruppen erhalten. Deshalb muss es einen Grund geben, warum sich die Eigenschaften so regelmäßig wiederholen.“

Damit wird sichtbar, dass die Lernenden die Periodizität nicht nur beobachten, sondern zunehmend als erklärungsbedürftiges Strukturprinzip wahrnehmen.

Einbettung

Der Block „Das Periodensystem der Elemente füllt sich“ baut unmittelbar auf dem zweiten Block „Das Periodensystem der Elemente entsteht“ auf. Dort entwickelten die Lernenden erstmals eine Ordnung der Elemente aus wiederkehrenden Eigenschaften heraus. Nun wird diese Ordnung erweitert, stabilisiert und zunehmend als tragfähiges System erfahren.

Gleichzeitig bereitet der Block den Übergang zu den folgenden Unterrichtsinhalten vor: Die Lernenden erkennen, dass die regelmäßige Wiederholung chemischer Eigenschaften nicht zufällig sein kann. Dadurch entsteht die fachliche Notwendigkeit, die Struktur des Periodensystems später mithilfe von Atombau und Elektronenkonfiguration genauer zu erklären.

Vernetzen

  1. Du hattest zuletzt Vermutungen zu den Eigenschaften der fehlenden Elemente aufgestellt. Prüfe deine Vermutungen mit Hilfe von M1.
  2. Suche eine triftigen Begründung dafür, dass man die sogenannten Edelgase historisch erst spät entdeckte. Ordne die zusätzlichen „Elementkärtchen der Edelgase“ aus M2, Edelgase fügen sich ein sinnvoll in das unvollständige Periodensystem ein. 
  3. Erkläre inwiefern die Entdeckung und Einordnung jedes weiteren Elements stets eine Bestätigung für das Ordnungssystem waren und formuliere offene Fragen.
M1

Gallium und Germanium

Mendelejews Vorhersagen

Als Mendelejew 1869 sein „Periodensystem der Elemente“ erstmals der Öffentlichkeit vorstellte, waren 63 Elemente bekannt. Auch sein Periodensystem zeigte Lücken. Mendelejew sagte vorher, dass eines Tages hier passende neue Elemente gefunden würden und er benannte Eigenschaften basierend auf den Eigenschaften benachbarter Elemente.

Die Fachwelt war skeptisch gegenüber Mendelejews Behauptungen und Prophezeiungen. Aber 1875 entdeckte der französische Chemiker Lecoq tatsächlich ein passendes neues Element, das er Gallium (Ga) nannte. 1886 entdeckte der Deutsche Winkler dann ein weiteres passendes, und gab ihm den Namen Germanium (Ge).

Voraussagen und Entdeckungen.1

Gallium und Germanium

Die chemischen Eigenschaften und die Atommasse des Elements Gallium stimmten sehr genau mit Mendelejews Vorhersagen für die Position unter Aluminium überein, die noch frei war. Die einzige Ausnahme stellte die von Lecoq bestimmte Dichte von 4,7 g/cm3 dar. Mendelejew hatte 5,9 g/cm3 vorhergesagt.
Mendelejew reagierte auf diesen Widerspruch zu seinen Vorhersagen recht arrogant. Er teilte dem Franzosen in einem Brief mit, dieser habe bei der Bestimmung der Dichte offensichtlich nicht sauber gearbeitet und solle das Experiment mit neuem Material wiederholen. Die erneute Dichtebestimmung mit einer sorgfältig gereinigten Materialprobe lieferte dann tatsächlich die von Mendelejew vorhergesagten Werte.

Inwiefern Mendelejews Vorhersagen zum Germanium passten, kannst Du selbst überprüfen:

Daten zum Germanium2

Weitere Vorhersagen

Mendelejews Voraussagen im Abgleich2

Interessantes zur Namensgebung

Ende des 19. Jahrhunderts war Europa geprägt von Nationalismus und sogar Krieg zwischen den Ländern – besonders zwischen Frankreich und dem deutschen Kaiserreich. Die Entdeckung und Benennung neuer Elemente bot Wissenschaftlern die Möglichkeit, ihre Nation symbolisch zu repräsentieren und den eigenen wissenschaftlichen Beitrag herauszustellen.

Aus diesem Grund benannte der Franzose Lecoq 1875 das entdeckte Element Gallium wohl nach dem lateinischen Namen für Frankreich („Gallia“), während der Deutsche Clemens Winkler 1886 sein Element Germanium als Anspielung auf „Germania“, den lateinischen Begriff für Deutschland, auswählte.

Aus heutiger Sicht kann man diese Praxis kritisch sehen. Die Idee, wissenschaftliche Entdeckungen für nationale Selbstdarstellung oder sogar Rivalität zu nutzen, wirkt nach heutigen Maßstäben rückblickend überholt. Wissenschaft lebt von internationalem Austausch und Zusammenarbeit.

Fun fact:  Lecoq wurde unterstellt, er habe sich mit dem Namen möglicherweise auch selbst ein Denkmal setzen wollen, da der lateinische Name für le coq (Hahn) gallus ist.

M2

Die Edelgase werden entdeckt

Die Edelgase fügen sich ein

Die sogenannten Edelgase wurden erst ab 1894 kurz hintereinander entdeckt, als Forscher wie William Ramsay und John Rayleigh in der Luft bisher unbekannte, sehr reaktionsträge Gase wie Argon, Neon, Krypton, Helium und Xenon nachwiesen. Auch wenn diese Elemente kaum mit anderen Stoffen reagieren, lassen sie sich doch in das Periodensystem einordnen.

Weiteres

Die sogenannten Edelgase fügen sich ein.3

Vernetzen

  1. Stelle heraus, was das Besondere an den in M3 genannten Benennungen war.
M4

Eine besondere Ehrung

Mendelejew und Seaborg werden geehrt

Hier eine zunehmend vollständigere Darstellung des Periodensystems der Elemente. Sie beinhaltet auch zwei nicht selbstverständliche Ehrungen.

Das PSE und eine besondere Ehrung.4

Ein Blick nach vorne

Wie es zu den Ähnlichkeiten der Elemente einer „Gruppe“ kommt und warum sich heutzutage evtl. noch zu entdeckende Elemente nicht an beliebiger Stelle einreihen können, werden wir erklären können, wenn wir einen genaueren Blick „in“ die Atome geworfen haben werden.

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Das Periodensystem der Elemente füllt sich
Lücken werden zur Bewährungsprobe
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