Chemie
Sekundarstufe I
Elemente & ihre Ordnung
Das Periodensystem der Elemente
Datum:

Der Streuversuch von Rutherford

Und seine Konsequenz: das Kern-Hülle-Atommodell

21.12.2025
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Gregor von BorstelGregor von Borstel
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Die Idee dahinterPDF

Die Idee dahinter

Ziele
Die Lernenden vollziehen den Streuversuch nach, werten anhand einer Animation die Beobachtungen aus und erkennen basierend darauf den Mehrwert des Kern-Hülle-Modells.
Möglicher Ablauf

Handlungs- und Erkenntnisschritte der Lernenden

  • In den Kontext eintauchen: Historische Szene lesen; Vorwissen zu Dalton/Thomson aktivieren.
  • Versuchsaufbau funktional erfassen: Quelle → Folie → Leuchtschirm; was zählt als „Treffer“?
  • Beobachtungsdaten erheben: Animation 2 Minuten schauen; jedes Aufleuchten als Punkt auf dem „Leuchtschirm“-Whiteboard markieren.
  • Deskriptive Auswertung: Häufungen, Randtreffer, leere Bereiche identifizieren; Verteilungen vergleichen.
  • Aus dem Trefferbild typische Flugbahnen in die M1-Skizze einzeichnen (gerade Durchgänge, leichte Ablenkungen, starke Ablenkungen/Rückstreuungen).
  • Modellierung – erste Strukturhypothesen: Mehrheit der Teilchen „trifft nichts“ → viel leerer Raum; starke Ablenkung nur selten → sehr kleine, stark geladene Region.
  • Modellkritik: Erwartungen aus Dalton/Thomson formulieren und systematisch mit Beobachtung konfrontieren.
  • Modellkriterien ableiten: Ein Modell muss Häufigkeiten (viel Durchgang), seltene starke Ablenkungen, Rückstreuungen, Ladungsaspekte erklären.
  • Abgleich/Sicherung mit M2: Rutherfords Schlussfolgerungen lesen; Übereinstimmungen/Abweichungen markieren.
  • Begriffsklärung/Transfer: „Warum Streuversuch?“ begründen; Kernaussagen des Kern‑Hülle‑Modells sichern.
Basismodell "Wissensaufbau" nach Oser

Wissen strukturieren und erweitern

PHASE 1: Ankommen im Lernkontext / Vorwissen direkt oder indirekt bewusst machen

  • Aktivierung bisheriger Vorstellungen (Dalton, Thomson/Rosinenkuchen) und Eintauchen in die Forschungswelt um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert. Begriffsklärung Alpha‑Teilchen, Goldfolie, Leuchtschirm als Nachweis. Ziel ist die transparente Ausgangsstruktur, an die Neues angedockt werden kann mit M1.
  • Minimale antizipierte Schülerleistung: Nennt frühere Modelle und beschreibt in eigenen Worten Aufbau und Beobachtungsgröße (Leuchtblitze als Treffer).

PHASE 2: Erstellen des Lernprodukts / Prototyp vorstellen und durcharbeiten (übersteigt das vorhandene Wissen)

  • Der Streuversuch wird als prototypischer Fall der „Fortentwicklung“ mithilfe der Animation bearbeitet. Gruppen erstellen in Echtzeit ein Punkt‑Trefferbild (Whiteboard als Leuchtschirm) und beschreiben Muster (Häufungen, Randtreffer, seltene Rückstreuungen).
  • Minimale antizipierte Schülerleistung Erstellt ein einfaches Trefferbild und benennt, dass die meisten Teilchen nahezu ungehindert passieren.
  • Maximale antizipierte Schülerleistung unterscheidet zentrale, abgelenkte und rückgestreute Treffer und leitet verbal erste typische Flugbahnen ab.

PHASE 3: Erstellen des Lernprodukts / Neue Wissenselemente einführen

  • Mit M1 Flugbahnen einzeichnen. 
  • Durch Überlegungen und Vergleich mit M2 Einführung und Sicherung der Schlüsselaussagen Rutherfords: Konzentration von positiver Ladung und Masse im winzigen Kern, weitgehend leerer Raum der Hülle, qualitative Häufigkeiten (viele Durchgänge, wenige starke Ablenkungen, sehr seltene Reflexion). Größenskala Kern/Atom zur Semantisierung.
  • Minimale antizipierte Schülerleistung: Nennt Kern‑Hülle‑Kernaussagen korrekt (Kern positiv/massereich; Hülle weitgehend leer).
  • Maximale antizipierte Schülerleistung: Verknüpft jede Beobachtung aus dem Prototyp mit dem jeweiligen Modellelement und erläutert das Größenverhältnis anschaulich.

PHASE 4: Diskussion und Verhandlung des Lernprodukts / Neue Elemente in die bestehende Struktur eingliedern

  • Integration: Vergleichsmatrix „Beobachtung ↔ Modellannahme“ und Abgleich mit Dalton/Thomson. Die Klasse ordnet das Kern‑Hülle‑Modell in die Entwicklungsfolge der Atommodelle ein und klärt, welche früheren Annahmen beibehalten, modifiziert oder verworfen werden.
  • Minimale antizipierte Schülerleistung Markiert mindestens eine unvereinbare Erwartung aus Dalton/Thomson im Licht der Beobachtungen.
  • Maximale antizipierte Schülerleistung Erstellt eine schlüssige Zuordnung (Durchgang → leerer Raum; Ablenkung → positive Ladung; Rückstreuung → kleiner, massereicher Kern) und begründet Modellrevisionen.

PHASE 5: Sicherung/Abschluss / Optimale Koordination der neuen Wissensstruktur herstellen

  • Konsolidierung in einem strukturierten Lernprodukt: Merkkarte oder Concept‑Map zum Kern‑Hülle‑Modell mit Definition, Merkmalen, Evidenzen aus dem Streuversuch und Abgrenzung zu Dalton/Thomson.
Einbettung

Eine Darstellung wird noch erstellt.

M1

Der berühmte Streuversuch: Ausgangslage und Design

Zu Besuch bei einem berühmten Versuch

Ernest Rutherfords Labor zu Beginn des 20. Jahrhunderts.1

Im abgedunkelten Labor an der Universität Manchester um 1911 herrscht konzentrierte Ruhe. Ernest Rutherford lässt seine Mitarbeiter Hans Geiger und Ernest Marsden geduldig winzige Lichtblitze auf einem Leuchtschirm2 zählen.

Sie hatten in dem Labor zuvor einen Versuch aufgebaut, bei dem aus einem Bleiblock mit einer winzigen Öffnung eine schwache Strahlung aus sogenannten Alpha-Teilchen auf eine hauchdünne Goldfolie treffen konnte. Die Goldfolie war so dünn, dass sie aus nur etwa tausend Atomschichten bestand.

Rund um die Folie hatten sie einen Leuchtschirm platziert. Bei jedem Treffer durch ein Alpha-Teilchen auf diesen Leuchtschirm blitzte der Schirm nun kurz auf. Beide notierten wahrscheinlich in einer Skizze auf einem Papier die Treffer.

Animation des Versuchs

Lass uns diesen berühmten Versuch heute einmal in einer Animation nachstellen. Machen wir uns zunächst gemeinsam mit dem Aufbau und der Animation vertraut.

Skizze des Versuchsaufbaus3

Hilfe bei Fachtexten

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Ich kann ihn in einfacher Sprache ausgeben4

Aufgaben zur Beobachtung

  1. Mache dich gemeinsam mit allen im Plenum mit der Animation vertraut. 
  2. Startet in eurer Gruppe die Animation und beobachtet den animierten Leuchtschirm für zwei Minuten. Nutzt gemeinsam euer Whiteboard so, als ob es ein Abbild des gebogenen Leuchtschirms wäre, und markiert jeden Lichtblitz als Treffer in Form eines Punkts.
  3. Beschreibe für dich das Trefferbild: Wo gibt es überall Punkte und wo häufen sich Punkte? 
  4. Vergleiche im Plenum mit allen gemeinsam die beobachtete Verteilung der Lichtblitze.

Aufgaben zur Auswertung

  1. Lade dir die Skizze des Versuchsaufbaus aus M1 herunter und zeichne in die Versuchsskizze einige typische Flugbahnen der Alpha-Teilchen, die sich aus dem Trefferbild ableiten lassen.
  2. Beschreibe, wohin die meisten Alpha‑Teilchen flogen, und leite daraus eine erste Aussage über den „Innenraum“ eines Goldatoms ab.
  3. Nimm Stellung dazu, warum der Versuch „Streuversuch“ genannt wird.

Aufgaben zur Modellierung

  1. Erkläre die Erwartungen an den Versuch, die sich aus Annahmen vorheriger Atommodellen wie in M2 Abb. 3 ergeben hätten. Was müsste jeweils mit den Alpha‑Teilchen passieren?
  2. Vergleiche nun diese Erwartungen mit den Beobachtungen und begründe, was nach diesem Versuch jeweils gegen die Tragfähigkeit der „vorherigen“ Modelle spricht.
  3. Benenne ein oder mehrere Kriterien, die ein verändertes Atommodell erfüllen muss, um die Beobachtungen des Streuversuchs zu erklären.
  4. Lies M2 zu Ende und ergänze deine Gedanken.
M2

Auswertung und ein neues Modell

Kurzer Gedanke vorab

Für die Auswertung wird es hilfreich sein, wenn wir uns im Atommodell nach Dalton und dem Rosinenkuchen-Atommodell nach Thomson einmal vorstellen, wie es modellhaft aussähe, wenn Alpha-Teilchen auf die Atome der Goldfolie prallen.

Wie sähe ein Aufprall von Alpha-Teilchen in unseren bisherigen Modellen aus?5

Was war für Rutherford das Besondere?

Rutherford ließ Marsden und Geiger auch am Rand des Leuchtschirms nach Leuchtblitzen Ausschau halten. Wahrscheinlich hat er etwas geahnt.

Wohl zur Überraschung seiner Mitarbeiter erschienen auf dem Leuchtschirm auch hier Blitze. Es gab also Treffer, die zeigten, dass wenige Alpha-Teilchen stark abgelenkt werden und manche sogar zurückprallten. Diese Beobachtung war für sich genommen sensationell.

Rutherford sagte dazu Folgendes: 

„It was almost as incredible as if you had fired a 15-inch shell at a piece of tissue paper and it came back and hit you.“6

Rutherfords Schlussfolgerungen

Vergegenwärtige dir noch einmal die Ladung des Alpha-Teilchens.

Aus den Beobachtungen, dass viele Alpha-Teilchen die Goldatome einfach passierten, einige wenige abgelenkt wurden und zudem etwa jedes 100.000 Alpha-Teilchen reflektiert wurde, zog Rutherford seine entscheidende Schlussfolgerung:

Die positive Ladung und fast die gesamte Masse eines Atoms ist in einem winzigen Kern konzentriert. Um den Kern herum befindet sich eine vergleichsweise „leere“ Hülle aus Elektronen. Diese wiederum haben eine viel geringere Masse als die Protonen.

So entstand das berühmte Kern‑Hülle‑Modell, das unser Verständnis vom Atombau grundlegend veränderte.

Das Kern-Hülle-Modell des Atoms

Streuversuch und Kern-Hülle-Modell7

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Der Streuversuch von Rutherford
Und seine Konsequenz: das Kern-Hülle-Atommodell
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