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LEBENSNAHER CHEMIEUNTERRICHT

SUCHERGEBNISSE: 255
Chemie
Sekundarstufe I
Elemente & ihre Ordnung
Atombau und das PSE
Datum:

Der Streuversuch von Rutherford

Ein bahnbrechendes Experiment zum Aufbau der Atome

25.05.2026
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Gregor von BorstelGregor von Borstel
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Die Idee dahinterPDF

Die Idee dahinter

Ziele
Die Lernenden vollziehen den Streuversuch nach, werten anhand einer Animation die Beobachtungen aus und erkennen basierend darauf den Mehrwert des Kern-Hülle-Modells.
Worum geht es in diesem Material?

Lernende arbeiten sich von der historischen Ausgangssituation über eigene Beobachtungen an der Animation bis zu ersten Modellierungsüberlegungen vor. Die Seite endet bewusst offen – das fertige Modell entsteht erst im nächsten Material.

Denkschritte und Arbeitsschritte der Lernenden

  • Sie tauchen in die historische Situation um 1909 ein und verstehen, mit welcher Erwartung Rutherford in den Versuch ging: Das Thomson-Modell sagt nur geringe Ablenkungen vorher – das schien bestätigt. Der Versuch sollte das eigentlich nur präzisieren.
  • Sie erfassen den Versuchsaufbau funktional: Radiumquelle → Alpha-Teilchen → Goldfolie → Leuchtschirm. Was zählt als „Treffer“? Was sagt ein Blitz an einer bestimmten Position aus?
  • Sie erheben an der Animation selbst Daten: Sie wählen Winkelpositionen, zählen Blitze, nutzen Zeitraffer oder Fotofilm-Modus und halten das Trefferbild fest. Das ist keine Illustration eines bekannten Ergebnisses, sondern eine möglichst echte Datenerhebung.
  • Sie beschreiben das Trefferbild: Wo häufen sich Treffer? Wo gibt es vereinzelte Punkte? Wo gibt es keine? Diese Beschreibung ist die entscheidende Grundlage für alles Folgende und sollte nicht übersprungen werden.
  • Sie leiten aus dem Trefferbild typische Flugbahnen der Alpha-Teilchen ab und zeichnen sie in die Versuchsskizze ein – ein erster Schritt vom Beobachteten zum Erschlossenen.
  • Sie stellen fest, dass die Beobachtungen den Erwartungen widersprechen: Die meisten Teilchen passieren ungehindert, wenige werden stark abgelenkt, sehr wenige prallen zurück. Das lässt sich mit dem Thomson-Modell nicht erklären.
  • Sie formulieren erste Hypothesen: Wenn fast alle Teilchen ungehindert fliegen – was bedeutet das für den Innenraum des Atoms? Wenn manche extrem stark abgelenkt werden – wo muss dann etwas sehr Kleines, aber Massives und positiv Geladenes sitzen?
  • Sie begründen, warum der Versuch „Streuversuch“ heißt – und verknüpfen damit Beobachtung und Begriff.

Hinweise zum Einsatz
Der historische Einstieg ist mehr als Kontext: Er zeigt, dass Rutherford mit einer klaren Erwartung in den Versuch ging – und dass das Ergebnis ihn überrascht hat. Dieses Moment der Überraschung lässt sich unterrichtlich nutzen, wenn Lernende ihre eigene Erwartung vor dem ersten Blick auf die Animation notieren.
Die aufklappbaren Vertiefungen zu Alpha-Teilchen und Marie Curie sind optional. Für die Beobachtungsaufgaben reicht es zu wissen, dass Alpha-Teilchen positiv geladen und massereicher als Elektronen sind.
Aufgabe 2 – das Festhalten und Beschreiben des Trefferbilds – verdient besondere Aufmerksamkeit. Es lohnt sich, das Ergebnis kurz im Plenum zu sichern, bevor die Modellierungsaufgaben beginnen.

Willkommen

  1. Schau dich im Labor M1 von Ernest Ruhterford ein wenig um.
  2. Mache dich dann zunächst mit der Idee und dem Aufbau des Versuchs vertraut. Wichtig für das Verständnis ist der mögliche Weg der alpha-Teilchen: Radium -> Goldfolie -> Aufprall auf einem Detektor
  3. Stell dir vor, du bist Forscherin oder Forscher im Jahr 1909 – und weißt noch nicht, was der Versuch zeigen wird. Die alpha-Teilchen treffen in der Goldfolie auf sehr viele Goldatome. Was würde mit ihnen passieren? Schau dir Abb. 2 an und formuliere für jedes Modell deine Erwartung in einem Satz:
    • „Nach dem Dalton-Modell erwarte ich, dass die alpha-Teilchen …, weil …“
    • „Nach dem Thomson-Modell erwarte ich, dass die alpha-Teilchen …, weil …“
  4. Vergleiche deine Erwartungen zu dem Versuch mit denen Rutherfords und seiner Mitarbeiter aus M1.
M1

Manchester im Jahr 1909

Zu Besuch bei einem berühmten Forscher

Ernest Rutherfords Labor zu Beginn des 20. Jahrhunderts.1

Im abgedunkelten Labor an der Universität Manchester herrscht konzentrierte Ruhe. Ernest Rutherford lässt seine Mitarbeiter Hans Geiger und Ernest Marsden geduldig winzige Lichtblitze zählen. Die drei wollten herausfinden, was passiert, wenn sogenannte alpha-Teilchen auf eine sehr dünne Schicht Atome trifft.

Was würdest du erwarten, wenn ...?

Zwei denkbare Modelle: Alphastrahlen treffen auf Atome – was wird passieren?3

Was dachte Rutherford vor dem Experiment?
Das bahnbrechende Experiment

Damit du den Versuch besser nachvollziehen kannst, haben wir in M2 einmal eine Animation dazu erstellt. In Partnerarbeit könntet ihr die folgende Beschreibung und die Animation nebeneinander legen und gleichzeitig zusammen betrachten.

Hans Geiger und Ernest Marsden hatten in dem Labor folgendende Versuchapparatur aufgebaut:

  • In einem Bleiblock lag ein Radiumpräparat.
  • Durch eine winzige Öffnung kam eine schwache Strahlung aus sogenannten Alpha-Teilchen,
  • die auf eine hauchdünne Goldfolie gelenkt wurden.
  • Hinter der Goldfolie war noch ein Leuchtschirm mit Zinksulfid (ZnS) als Detektor aufgebaut. Stieß ein Alpha-Teilchen auf den Leuchtschirm, blitzte dieser kurz auf.
  • Da Geiger und Marsden die Blitze mit bloßem Auge nicht genau genug sahen, war hinter dem Leuchtschirm ein Mikroskop, das sie bewegen konnten.4
Weiteres

Geiger und Marsden begannen ihre Beobachtungen hinter der Goldfolie.
Dann platzierten sie das Mikroskop in einem anderen Winkel zur Folie – und zählten erneut.
So arbeiteten sie sich stundenlang Winkel für Winkel um die gesamte Folie herum.
Beide notierten wahrscheinlich in einer Skizze auf einem Papier die Treffer pro Position.

Durchführen und beobachten

  1. Mache dich mit der Handhabung der Animation vertraut und führe damit „fiktive Messungen“ durch. Beginne in der Detektor Standardansicht ZnS Schirm, schalte das Mikroskop dazu und belichte später auch den Fotofilm.
  2. Halte das Trefferbild (z. B. in Form des entwickelten Fotos) in deinen Unterlagen fest und beschreibe es: Wo gibt es überall Blitze/Punkte und wo häufen sie sich?
  3. Erstelle vom Versuchsaufbau ein Bildschirmfoto und zeichne in diese Versuchsskizze einige typische Flugbahnen der Alpha-Teilchen, die sich aus dem Trefferbild ableiten lassen.
  4. Gleiche die Erwartung aus Aufgabe 1 mit den Ergebnissen ab. Lies dazu auch M3. Erkläre, warum der Versuch später „Streuversuch“ genannt wurde.
M2

Animation des berühmten Streuversuch

Weiteres

Der Streuversuch von Rutherford (1909)

Radiumquelle
Detektor
Zeitraffer
Ansicht
α-Teilchen
Position Mikroskop:

Punkteverteilung ähnlich der Messung von Geiger & Marsden (1909)

Animation des Versuchs: links die Strahlen-Quelle (Radium), in der Mitte die Goldfolie, rechts der Leuchtschirm mit dem Mikroskop dahinter5

Handhabung der Animation

Probiere die Animation einfach aus – sie ist selbsterklärend. Verändere die Winkelposition des Mikroskops, schalte zwischen den verschiedenen Ansichten um und schau, was passiert.
Falls du nicht weiterkommst oder bestimmte Funktionen gezielt nutzen möchtest, findest du hier Anleitungen dazu.

Denke an die Aufgabe von Rutherford an Marsden!

Geiger und Marsden saßen im abgedunkelten Labor und zählten winzige Lichtblitze auf einem Leuchtschirm – stundenlang. Um die Blitze besser erkennen und zählen zu können, schauten sie dabei durch ein Mikroskop.

Das kannst du in der Animation nachvollziehen.

  1. stelle die Radiumquelle → EIN
  2. der Detektor steht auf ZnS-Schirm (Standardeinstellung)
  3. nutze die Ansicht → Blick ins Mikroskop einschalten
  4. Wähle unter „Position Mikroskop“ verschiedene Winkel aus.

Marsden und Geiger haben über einen langen Zeitraum gezählt. An den Positionen 90° und 135° dauert es im echten Experiment Minuten bis zu einem einzigen Blitz.

Aber wir haben ja nicht so viel Zeit und daher darfst Du das abkürzen:

  1. Schalte Zeitraffer → × 10 oder × 100
  2. Die Blitze kommen jetzt entsprechend schneller

Der Zeitraffer verändert nichts an der Physik – er zeigt dir nur, was sich über eine viel längere Zeit angesammelt hätte

Du kannst dir die Auswertung etwas leichter machen: in späteren Experimenten wurde der ZnS-Schirm durch einen Fotofilm ersetzt, der den gesamten Kreisring abdeckte. So ein Film wurde eine Weile bestrahlt und dann chemisch entwickelt. Jeder Treffer hinterließ einen schwarzen Punkt.

  1. Detektor → Fotofilm umschalten
  2. Aufnahme starten drücken und warten (oder mit Zeitraffer beschleunigen)
  3. Nach Abschluss: Film entwickeln drücken

Der entwickelte Film zeigt dir die Verteilung aller Treffer auf einmal.

Wo sind die meisten Alphateilchen hingegangen? Und was bedeuten die wenigen, vereinzelten Punkte?

Was macht man mit dem Ergebnis? Nun: eigentlich geht es darum, nachzuvollziehen, welchen Weg die alpha-Teilchen in bzw. ab der Goldfolie eingeschlagen haben.

Die Forscher konnten die Flugbahnen der Alphateilchen nie direkt sehen – sie haben sie nur aus den Ergebnissen erschlossen.

Das kannst du auch so machen. Aber du darfst auch die Teilchenbahnen „einschalten“:

  1. schalte α-Teilchen → sichtbar
  2. und du erhälts einen „Animation der Teilchen“

Denke gerne mal nach: wie kommt man von den Blitzen auf dem Leuchtschirm oder den schwarzen Punkte auf dem Fotofilm auf die Teilchenbahnen? Wohin sind die meisten Teilchen geflogen und was passierte mit einzelnen anderen?

M3

Was sagte Rutherford?

Weiteres

Geiger und Rutherford im Gespräch im Labor6

Rutherford hatte mit geringen Ablenkungen gerechnet – für das Atom Modell nach Thomson wäre das die erwartete Antwort gewesen. 

Weiteres

Dann kam Geiger aufgeregt zu ihm. Was er berichtete, war eindeutig: Die meisten alpha-Teilchen flogen tatsächlich nahezu ungehindert durch die Folie. Aber einige wurden stark abgelenkt und … 

we have been able to get some of the α-particles coming backwards …

… it is almost as incredible as if you had fired a 15-inch shell at a piece of tissue paper and it came back and hit you.7

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Der Streuversuch von Rutherford
Ein bahnbrechendes Experiment zum Aufbau der Atome
https://lncu.davidweninger.de/material/der-streuversuch-von-rutherford/