Erziehen und Unterrichten lassen sich nicht trennen
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Erst kommt die Chemie, dann, wenn Zeit bleibt, ein Stück Bewertung, etwas Demokratie, ein wenig Nachhaltigkeit. Ist das so?
Die OVP hält dem ein anderes Bild entgegen. Sie führt Unterrichten und Erziehen als eigene Handlungsfelder, meint damit aber nicht, dass beide nacheinander abzuarbeiten sind. Im guten Fachunterricht sind sie dasselbe Geschehen aus zwei Blickwinkeln.
Verstehen wir „Erziehen“ hier als das Befähigen junger Menschen, sich in einer komplexen Welt begründet zu orientieren, eigenständig zu urteilen und an gemeinsamen Entscheidungen teilzuhaben — und nicht als „Regeln lernen —, dann wird der Zusammenhang mit dem Fach unmittelbar einsichtig.
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Am Chemieunterricht lässt er sich besonders deutlich zeigen. Wer verstanden hat, wie das chemische Gleichgewicht auf Eingriffe reagiert und wo die planetaren Grenzen verlaufen, besitzt damit noch kein Urteil — wohl aber die Voraussetzung, eines zu fällen.
Beispiele wie in M2 zeigen: All das wächst aus der Fachlichkeit heraus und ist ohne sie nicht zu haben. Der Erziehungsauftrag ist hier nicht das Sahnehäubchen, sondern der Grund, warum sich die Fachlichkeit überhaupt lohnt.
Genau das wollen wir in diesem Fachseminar erproben. Wir nehmen vorhandene Materialien in den Blick, in denen die Verschränkung von Unterrichten und Erziehen bereits gelungen ist, arbeiten heraus, woran man sie erkennt — und suchen dann eigene Inhalte, an denen wir dasselbe exemplarisch durchführen.
Aufgaben
- Setzen Sie sich exemplarisch mit einem der vorgestellten Materialien M2 auseinander und stellen Sie heraus, was das Besondere an ihm ist: An welcher Stelle, durch welche Aufgabe oder welches Lernprodukt wird der Erziehungsauftrag fachlich eingelöst — und nicht bloß angefügt? Belegen Sie Ihre Einschätzung am konkreten Material, nicht an der Absichtserklärung.
- Benennen Sie Inhalte oder Kontexte, an denen sich die Verschränkung von Unterrichten und Erziehen ebenso exemplarisch durchführen ließe. Begründen Sie für mindestens einen Vorschlag, welche fachliche Grundlage gelegt sein muss, damit das damit verbundene Urteil tragfähig wird.
Anregungen
Desinformationen begegnen
Wie die Ölindustrie wissenschaftliche Erkenntnis gezielt in Zweifel zieht, obwohl sie es besser wusste — und wie Lernende mit der PLURV-Methode lernen, solche Strategien zu durchschauen, statt ihnen aufzusitzen.
Der Podcast erzählt uns die Geschichte zu den Schlagzeilen1
Eine Fritz-Haber-Straße umbennen?
In einer fiktiven Ratsdebatte verhandeln Lernende eine Person, die sich der einfachen Bewertung entzieht. Und es geht um Gendergrechtigkeit!
Das WAAGE(R)-Modell gibt dem Abwägen Struktur, ohne es zu entscheiden: Es gibt kein richtiges Ergebnis, nur ein begründetes.
Plan einer beliebigen Stadt.2
Wie kann unsere Schule klimaneutral werden?
Im Bürgerrat bleibt es nicht beim Erkennen und Bewerten — hier werden Vorschläge zum Handeln gemacht. Lernende vertreten unterschiedliche, legitime Interessen und müssen eine gemeinsame, tragfähige Lösung aushandeln. Wer mitreden will, stützt sich auf das, was über CO2, Stoffkreisläufe und planetare Grenzen bekannt ist. Demokratische Teilhabe, getragen von Fachlichkeit.
Dein Ticket.3




