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Chemie
Sekundarstufe II
Reaktionsgeschwindigkeit & Gleichgewichte
Planetare Grenzen & Le Chatelier
Datum:

Mehr Kohlenstoffdioxid – höhere Temperaturen

Der sogenannte anthropogene Treibhauseffekt

20.05.2026
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Gregor von BorstelGregor von Borstel
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Stichwort planetare Grenzen: was passiert genau, wenn ein System sich im Gleichgewicht befindet und die Konzentrationen von Stoffe oder Bedingungen wie zum Beispiel die Temperatur sich ändern?

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Genau so etwas macht die Menschheit seit Beginn der Industrialisierung. Wir entlassen Jahr für Jahr immer mehr zusätzliches Kohlenstoffdioxid (CO2) in die Erdatmosphäre und das hat Konsequenzen für zahlreiche gekoppelte Systeme im gesamten Kohlenstoffkreislauf.

Aufgaben

  1. Beschreiben Sie anhand des Kreislaufdiagramms, auf welche Weisen CO2 in die Atmosphäre gelangt und auf welche Weisen es wieder aufgenommen wird. Was verändert sich durch menschliche Eingriffe?
  2. Erklären Sie, warum ein erhöhter CO2-Anteil in der Atmosphäre zu einer höheren mittleren globalen Temperatur führt.
  3. Erklären Sie in eigenen Worten, was ein Kipppunkt ist.
M1

Kohlenstoffdioxid - Gas mit großer Wirkung

Der gesamte Kohlenstoff(dioxid)-Kreislauf

Der Kohlenstoff(dioxid)-Kreislauf1

Kipppunkte – wenn Gleichgewichte außer Kontrolle geraten

Ein Kipppunkt ist erreicht, wenn ein System sich selbst so stark verstärkt, dass es in einen neuen Zustand kippt – und nicht mehr einfach zurückgeht.
Ein Beispiel: Steigt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre, erwärmt sich die Erde. Wärmere Temperaturen lassen Gletscher und Permafrostböden schmelzen. Dabei wird zusätzliches CO2 und Methan freigesetzt – Gase, die die Erwärmung weiter verstärken. Gleichzeitig nimmt die Löslichkeit von CO2 im Ozean mit steigender Temperatur wie wir sehen werden ab. Der Ozean, der bisher einen Teil unserer Emissionen geschluckt hat, verliert diese Pufferwirkung zunehmend.
Das ist dann eine Rückkopplung und die Ursache verstärkt sich selbst.

Ab einem bestimmten Punkt reicht es nicht mehr, einfach weniger CO2 auszustoßen. Genau das macht Kipppunkte so folgenreich – und unterscheidet sie auch von einer „einfachen, reversiblen Störung“ eines chemischen Gleichgewicht, wie wir sie jetzt kennenlernen werden. 

Ein Blick in die Atmosphäre
Frühindustriell · ~1900
Jahr
ca. 1900
CO₂-Konzentration
280 ppm
Ø Globaltemperatur
14,0 °C
Erwärmung seit 1750
+0,0 °C

CO₂-Konzentration anpassen

1958
2000
2026
2050

Wie wirkt CO₂ als Treibhausgas?

Kurzwellige Sonnenstrahlung (↓ zur Erde)
Infrarotstrahlung der Erde (↑ ins All)
Von CO₂ zurückgeworfene IR-Strahlung (↓ zurück zur Erde)

Die Sonne sendet kurzwellige Strahlung zur Erde. Die erwärmte Erdoberfläche gibt langwellige Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung) zurück in die Atmosphäre.

CO₂-Moleküle absorbieren diese Infrarotstrahlung: Die Bindungen im linearen Molekül O=C=O geraten in Schwingung. Anschließend wird die Energie in alle Richtungen wieder abgestrahlt – auch zurück zur Erde. Je mehr CO₂-Moleküle in der Atmosphäre, desto mehr Wärme wird zurückgehalten.

In der Animation siehst du das: Orangefarbene Pfeile steigen von der Erdoberfläche auf – das ist die Wärmestrahlung. In der CO₂-Schicht werden sie absorbiert und als dunkelrote Pfeile zurück zur Erde geworfen. Je mehr CO₂-Moleküle vorhanden sind, desto mehr Strahlung wird zurückgelenkt.

Merksatz: CO₂ wirkt wie eine Decke um die Erde. Je mehr Moleküle, desto dicker die Decke – desto wärmer wird es.
Achtung, Modell! In der Realität sieht man Lichtstrahlen nicht als leuchtende Blitze – Licht ist unsichtbar, solange es nicht direkt ins Auge trifft. Die bunten Pfeile hier sind also keine realistische Darstellung. Sie sind ein Modell: Sie zeigen, in welche Richtung Energie fließt und wie sich die Strahlungsmenge verändert, wenn mehr CO₂ in der Atmosphäre ist. Jedes Modell vereinfacht – das ist kein Fehler, sondern Absicht. Wichtig ist, die Vereinfachung zu kennen.

Warum ist die Zeitachse nicht gleichmäßig aufgeteilt?

Schau dir die Markierungen unter dem Regler an: 1900 und 1958 liegen sehr nah beieinander – obwohl 58 Jahre dazwischen liegen. 2000 und 2026 sind dagegen fast genauso weit voneinander entfernt – in nur 26 Jahren.

Der Regler misst keine Zeit, sondern CO₂-Konzentration. Die Position jedes Jahres richtet sich danach, wie viel CO₂ damals in der Atmosphäre war. Der Abstand zwischen zwei Markierungen zeigt also, um wie viel ppm die Konzentration in diesem Zeitraum gestiegen ist:

Warum ausgerechnet 1958? In diesem Jahr begann der amerikanische Wissenschaftler Charles David Keeling auf dem Vulkan Mauna Loa auf Hawaii, die CO₂-Konzentration der Atmosphäre systematisch zu messen – als Erster überhaupt, dauerhaft und präzise. Die daraus entstandene Kurve trägt seinen Namen: die Keeling-Kurve. Sie ist eines der bekanntesten Dokumente der Klimaforschung und zeigt erstmals lückenlos, wie der CO₂-Gehalt Jahr für Jahr steigt. Hawaii wurde gewählt, weil der Mauna Loa weit weg von Städten und Industrie liegt – die Luft dort ist besonders rein und repräsentativ für die gesamte Atmosphäre.

1900 → 1958  (58 Jahre):  +19 ppm
1958 → 2000  (42 Jahre):  +54 ppm
2000 → 2026  (26 Jahre):  +62 ppm

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der weltweite Energieverbrauch noch vergleichsweise gering. Ab den 1960er Jahren beschleunigte sich alles: Massenmotorisierung, globaler Luftverkehr und rasantes Wirtschaftswachstum ließen den Ausstoß fossiler Brennstoffe explodieren. Mehr Verbrennung = mehr CO₂ in kürzerer Zeit.

Merksatz: Gleicher Abstand auf dem Regler = gleiche Menge CO₂ – aber die Zeit, die dafür gebraucht wurde, wird immer kürzer.

Folgen und Kipppunkte

Bereits bei +1,5 °C Erwärmung (Pariser Klimaabkommen) drohen ernste Folgen: häufigere Extremwetterereignisse, Gletscherschmelze, Anstieg des Meeresspiegels und Verlust von Korallenriffen.

Kipppunkte sind Schwellenwerte, ab denen sich das Klimasystem selbst verstärkt – z. B. das Auftauen von Permafrostböden (setzt CH₄ frei) oder das Abschmelzen des Grönlandeises (reduziert die Reflexion der Sonnenstrahlung).

Jenseits von Kipppunkten können Klimaveränderungen nicht mehr durch menschliches Eingreifen gestoppt werden.

Zukunftsszenarien – was steckt hinter SSP5-8.5?

Niemand kann die Zukunft exakt vorhersagen. Deshalb arbeiten Klimaforscherinnen und -forscher mit Szenarien – verschiedenen Annahmen darüber, wie die Welt sich entwickeln könnte. Der IPCC (der Weltklimarat der Vereinten Nationen) nutzt dafür die sogenannten SSP-Szenarien.

SSP steht für Shared Socioeconomic Pathway – auf Deutsch: gemeinsamer gesellschaftlicher Entwicklungspfad. Die erste Zahl (1–5) beschreibt, wie die Gesellschaft sich verändert: Zahl 1 steht für eine nachhaltige, kooperative Welt; Zahl 5 für eine fossil-intensive, wachstumsorientierte Welt.

Die Zahl nach dem Bindestrich (z. B. 8,5) gibt an, um wie viel Watt pro Quadratmeter die Erde bis 2100 mehr Energie aufnimmt als abgibt – der sogenannte Strahlungsantrieb. Je höher dieser Wert, desto stärker die Erwärmung.

Woher kennen wir den Ausgangswert? Alle Temperaturangaben in den Szenarien beziehen sich auf das vorindustrielle Niveau – also auf die Zeit um 1750, bevor der Mensch nennenswert in den Kohlenstoffkreislauf eingegriffen hat. Woher wissen wir, wie die Atmosphäre damals war? Aus Eisbohrkernen: In Gletschern – zum Beispiel in der Antarktis – haben sich über Jahrtausende Schichten aus Schnee und Eis gebildet. Darin eingeschlossene Luftblasen konservieren die Luft vergangener Epochen, bis zu 800.000 Jahre zurück. Aus diesen Blasen lässt sich die CO₂-Konzentration direkt messen. Das Ergebnis: Um 1750 lag der CO₂-Gehalt bei etwa 280 ppm – dieser Wert ist aus mehreren unabhängigen Eisbohrkernen gut gesichert. Die globale Durchschnittstemperatur lässt sich dagegen nicht direkt messen; sie wird auf Basis von Proxydaten (Baumringe, Korallen, Sedimentkerne) auf rund ~14 °C geschätzt, mit einer Unsicherheit von etwa ±0,5 °C. Das ist der Nullpunkt, auf den sich alle Erwärmungsangaben beziehen – auch in dieser Simulation.

SSP1-2.6  →  starker Klimaschutz   →  ca. +1,5 °C bis 2100
SSP2-4.5  →  mittlere Maßnahmen   →  ca. +2,7 °C bis 2100
SSP5-8.5  →  weiter wie bisher     →  ca. +4,4 °C bis 2100

Der rechte Rand dieses Reglers entspricht dem SSP5-8.5-Szenario für das Jahr 2050 – also dem pessimistischsten Fall, wenn der globale CO₂-Ausstoß weiter stark ansteigt.

Die Szenarien sind keine Prognosen, sondern Wenn-dann-Aussagen: Wenn wir so handeln, dann passiert das. Welches Szenario Wirklichkeit wird, entscheiden gesellschaftliche und politische Entscheidungen – auch die eurer Generation.

Mehr CO2 führt zu höheren Temperaturen: Treibhauseffekt auf molekularer Ebene2

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Mehr Kohlenstoffdioxid – höhere Temperaturen
Der sogenannte anthropogene Treibhauseffekt
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