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Chemie
Sekundarstufe II
Reaktionsgeschwindigkeit & Gleichgewichte
Bilde dir ein Urteil — aber fachlich
Datum:

Die Bürgerratssitzung: abwägen, entscheiden, reflektieren

Wir führen zusammen, was wir wissen — und prüfen unser eigenes Urteil

13.06.2026
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ID 36422

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FS Chemie 26Gregor von Borstel
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Die Idee dahinterPDF

Die Idee dahinter

Ziele
Die Schüler:innen führen die Bürgerratssitzung durch — sie bündeln das Expertenwissen, gewichten mit der WAAGE(R) die Argumente, treffen für Bestand und Neubaugebiet je eine begründete kollektive Entscheidung (Empfehlung an den Stadtrat) und reflektieren, wie dieses Urteil zustande kam.

Die Lernenden ...

  • stellen in der Expertenphase ihr Thema sachlich und adressatengerecht dar und führen anschließend die Argumente zusammen, indem sie sie den Handlungsoptionen zuordnen (Argumentieren).
  • gewichten die Argumente und unterscheiden begründet zwischen abwägbarem trade-off und entscheidendem K.-o.-Kriterium (Gewichten).
  • treffen in zwei getrennten Abstimmungen eine Entscheidung für Bestand und Neubaugebiet und formulieren einen Ratsbeschluss mit Begründung und — falls vorhanden — Minderheitsvotum (Entscheiden).
  • reflektieren ihren Bewertungsprozess und unterscheiden, wo ihre Entscheidung eine Fachfrage und wo sie eine Wertfrage war (Reflektieren).
  • erkennen Ambivalenz und Mehrperspektivität als Stärke demokratischer Entscheidungen und übertragen das Prinzip begründeten Bewertens auf weitere gesellschaftlich relevante Fragen.
Ziele

Die Idee, das Haber-Bosch-Verfahren nicht nur als Fachinhalt, sondern über die Personen dahinter und die Frage nach einer Fritz-Haber-Straße zu unterrichten, ist nicht neu — wir verfolgen sie seit Jahren und haben sie auf LNCU bereits in früheren Fassungen umgesetzt. Ausgearbeitet und mehrfach im Unterricht erprobt wurde sie maßgeblich von Friederike Rohrbach-Lochner, die aus ihrer Verbindung von Chemie, Biologie und Geschichte heraus den multiperspektivischen Zugriff entwickelte.1 Auf ihren Beitrag geht der Kern dessen zurück, was diese Einheit bis heute trägt: die Straßenfrage als realer Bewertungsanlass — angeregt durch den Antrag des Heidelberger Friedensratschlags von 2015 zum 100. Jahrestag von Ypern —,2 das Offenlegen und Abwägen von Grundwerten wie Frieden, Leidvermeidung und wissenschaftlichem Fortschritt sowie die ausdrückliche Würdigung Clara Immerwahrs als eigenständige Forscherin und nicht bloß als Habers Ehefrau.3
Was wir hier neu gemacht haben, baut auf diesem Fundament auf: Das WAAGE(R)-Modell strukturiert das Bewerten nun durchgängig und macht den Unterschied zwischen abwägbarem Argument und K.-o.-Kriterium explizit;4 aus der einzelnen Straßenfrage wurde ein Doppel-Dilemma, das die Benennung eines Neubaugebiets und damit die Gendergerechtigkeit einbezieht; und alle Fakten wurden erneut quellenkritisch geprüft und aktualisiert. Die didaktische Linie aber bleibt, was sie 2019 war.

Beschreibung

Auf dieser Seite findet die eigentliche Bürgerratssitzung statt — die Lernenden führen zusammen, was sie vorbereitet haben, und arbeiten dabei die WAAGE(R)-Schritte Argumentieren, Gewichten, Entscheiden und Reflektieren ab. Eine Agenda und der AGE(R)-Ausschnitt verorten die Sitzung im Gesamtmodell. In Phase 1 machen sich die Gruppen als Expert:innen gegenseitig sachkundig (Notizen auf dem Expertenzettel); in Phase 2 tragen sie als Bürger:innen die Argumente im WAAGE(R)-Blatt zusammen, benennen Bewertungskriterien und gewichten — abwägbarer trade-off oder entscheidendes K.-o.-Kriterium? Entschieden wird in zwei getrennten Abstimmungen: zuerst über den Bestand (Fritz-Haber-Straße), dann über das Neubaugebiet. Das Ergebnis halten die Lernenden als Ratsbeschluss mit Begründung und optionalem Minderheitsvotum fest — ihr Lernprodukt. Abschließend reflektieren sie ihren Bewertungsprozess und unterscheiden, wo ihre Entscheidung eine Fach- und wo sie eine Wertfrage war.

Einbettung

iese Seite ist der Abschluss des Falls — und sie ersetzt die frühere, eigenständige Metareflexionsseite. Sie setzt das auf Seite 2 erarbeitete Expertenwissen voraus und führt es in den vier WAAGE(R)-Schritten A·G·E·R zu einem begründeten kollektiven Urteil. Bewusst gewählt ist das Format des Bürgerrats: Sein Ergebnis ist eine Empfehlung an den Stadtrat, kein bindender Beschluss — das hält den Anspruch hoch, gut zu begründen, statt nur zu gewinnen. Hier laufen die drei Urteilsebenen der Reihe zusammen: historisch verstehen, aus heutiger Sicht urteilen und über Erinnerungskultur entscheiden — denn die Straßenfrage ist kein historisches Urteil über die Person. Der Reflexionsschritt fängt die alte Metaebene auf, ohne eine vierte Seite zu brauchen: Die Lernenden trennen Fach- von Wertfragen und übertragen das Prinzip begründeten Bewertens auf andere gesellschaftliche Fragen. Tragend bleibt der Satz, dass es hier an dieser Stelle kein richtiges Ergebnis gibt, nur ein begründetes — und genau das macht die Durchdringung mit der Methode WAAGE(R) verhandelbar.

Achtung – diese Seite befindet sich noch im Aufbau. Wir entwickeln das Material schrittweise und machen den Prozess bewusst sichtbar. Normalerweise würde die Seite auf „Entwurf“ stehen. Da die Entwicklung aber parallel im Fachseminar abläuft, ist sie ausnahmsweise schon veröffentlicht.
Für Ideen, Rückmeldungen oder Fragen kann man die Kommentarfunktion nutzen.

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Unsere Agenda für die Sitzung

Weiteres

Heute führt ihr zusammen, was ihr vorbereitet habt. Am Ende steht eure Empfehlung an den Stadtrat.

1. Wir informieren uns gegenseitig
Hier seid ihr Expert:innen. Macht die Versammlung zu eurem Thema sachkundig — knapp und präzise, denn auf eurem Wissen bauen alle ihr Urteil auf.

2. Wir argumentieren und gewichten
Ab jetzt seid ihr Bürger:innen. Ihr tragt zusammen, was die Expert:innen geliefert haben, und macht daraus ein begründetes Urteil. Gearbeitet wird im WAAGE(R)-Blatt.

3. Wir entscheiden und empfehlen
Wir tragen Vorschläge im Plenum zusammen, stimmen ab und schreiben dem Stadtrat 

4. Wir reflektieren
Eure Empfehlung ist gefallen — aber wie ist sie entstanden? 

Weiteres

Wie gehen wir jetzt vor?5

Aufgaben

  1. Stellt euer Expertenthema kurz vor: Was muss die Versammlung wissen, um begründet entscheiden zu können? Die Zuhörenden halten die Kernaussagen auf dem Expertenzettel fest und stellen Verständnisfragen.
  2. Führt alle Argumente zusammen und ordnet sie den Optionen zu — Bestand: bleiben / umbenennen / Ergänzungsschild; Neubaugebiet: nach wem benennen? Tragt sie in die Argumentieren-Tabelle eures Blatts ein und benennt die Bewertungskriterien, nach denen ihr urteilt.
  3. Gewichtet die Argumente: Was zählt als abwägbarer trade-off, was als K.-o.-Kriterium? Begründet jedes K.-o.-Kriterium — warum wiegt es für euch so schwer, dass es allein entscheidet?
  4. Stellt eure Abwägung im Plenum vor. Stimmt dann in zwei getrennten Abstimmungen ab — zuerst über die Fritz-Haber-Straße (Bestand), dann über das Neubaugebiet. So kann jede Frage ihre eigene Mehrheit finden.
  5. Haltet das Ergebnis als Empfehlung an den Stadtrat fest (Ratsbeschluss): kurz, klar, begründet — für Bestand und Neubaugebiet getrennt. Eine begründete Gegenposition kommt als Minderheitsvotum dazu.
  6. Reflektiert euren Bewertungsprozess: An welcher Stelle habt ihr am längsten gerungen? Was könnte jemand, der anders entscheidet, zu Recht einwenden? Und: Wo war eure Entscheidung eine Fachfrage — wo eine Wertfrage? 

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Die Bürgerratssitzung: abwägen, entscheiden, reflektieren
Wir führen zusammen, was wir wissen — und prüfen unser eigenes Urteil
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